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Der Kult um die drei Bethen

Andrea Dechant

Die drei Bethen werden meist als gütige Frauen beschrieben, die durch die Lande ziehen, weisen Rat erteilen, Gaben schenken und mit denen man auch über das Schicksal reden oder verhandeln kann. Die Menschen glaubten an die Kraft der Bethen und wandten sich an sie bei Angelegenheit in Sachen Fruchtbarkeit bei Mensch, Tier und Feldern, für den Schutz der Arbeit bei allen Erntezyklen, bei Geburten, Krankheiten und Tod.

Der Kult um die drei Bethen

Der Glaube und der Kult rund um die drei Bethen hielt sich im Volk sehr lange. Allerdings unterlagen die Namen der einzelnen Göttinnen immer wieder verschiedenen Änderungen, ihre grundsätzliche Kraft und ihre Wirkungsweise blieben allerdings weitgehend gleich. Kannte man die drei Göttinnen als keltische Ambeth, Wilbeth und Borbeth, so erschienen sie unter dem Einfluss des Christentums und des römischen Reichs und dessen Wertbegriffen göttlicher Verehrung als die Heilige Fides, die Heilige Spes und die Heilige Caritas.

In den keltisch geprägten Ostalpen war die römisch-katholische Maria anfänglich keine passende Lösung, um den mütterlich-weiblichen Aspekt der Großen Göttin zu ersetzen. Hier mussten die alten Bethen herhalten, die im Laufe des Mittelalters zu den „Drei Heiligen Madln“ modifiziert wurden.

Die göttliche Triade

Wilbeth, Ambeth und Borbeth bilden als Bethen die göttliche Triade als Erd-, Mond- und Sonnenmutter. Sie sind Schicksalsgöttinnen und im christlichen Sinn Nothelferinnen.

Ambeth, die zu Margarethe wurde, ist die Leben gebärende Mutter, sie ist licht und gut. Als Symbol für das Ewige Leben, für den Kreislauf „Geburt-Tod-Wiedergeburt“ ist sie oft mit einer Schlange der Urmutter dargestellt. Wilbeth-Katharina teilt das Schicksal zu und symbolisiert den Lebenslauf. Wil-Beth hat als erste Silbe „Wil“ und entspricht dem englischen „Wheel“, das Rad bedeutet. Wil-Beth heißt demnach „Rad-Bethe“, im Sinne von Schicksals-Bestimmerin oder Lebensrad. Auf ihrem Spinnrad spinnt sie den Lebensfaden.

Borbeth wurde zu Barbara. Sie hat den typischen Leben-Tod Aspekt. Zum einen schneidet sie den Lebensfaden ab. Die Silbe „Bar“ bedeutet einerseits gebären, geborgen (englisch: born), andererseits auch Bahre, Totenbahre. BAR hat auch als Rune genau diese Bedeutung. Borbeth verkörpert die Mutter Erde, die ihren dunklen, bergenden Schoß auftut, um Menschen zu gebären und wieder in sich aufzunehmen. Ihr Symbol ist der Turm oder Bergfried, der zur Bewachung dient und damit Geborgenheit und Sicherheit garantiert. Sie stellt auch den dunklen, schwarzen Aspekt der Göttin dar, der vor allem im Winter seinen Platz hat.

Erd-, Mond- und Sonnenmutter

Die Silbe „Beth“ in Am-, Bor- und Wilbeth ist der Name der Erdgöttin schlechthin, der sich bis heute in dem Bett, in dem wir schlafen, gehalten hat. Denn ursprünglich schliefen die Menschen nicht auf Matratzen, sondern auf der (Mutter-)Erde. So wie auch die Blumen noch im Beet gut aufgehoben sind. Und „beten“ und „bitten“ ist davon abgeleitet und heißt eigentlich „die Göttin anrufen“. Die „Beteltänze“ und „Bettelumzüge“aus dem Mittelalter, die Bettelstege auf den Wanderwegen, der Bittgang sind alle von den Bethen abzuleiten.

Speziell am Ende der Rauhnächte in der Nacht zum und der Tag des 6. Januar treten die drei Bethen auf. Das ist auch die große Zeit der Göttin Percht, weswegen wahrscheinlich die Bethen oft auch „Perchten“ genannt werden. Sie segnen Haus, Hof, Mensch und Vieh, als Zeichen, dass sie da gewesen waren, hinterließen sie drei „x x x“ bzw. ihr K x M x B an Haus- und Stalltüren. Das kommt wahrscheinlich bekannt vor. Denn dieser Tag ist ja eher als Drei-Königstag bekannt. Die Weisen aus dem Morgenland mussten – wie so oft andere Geschichten und Figuren des Christentums – dafür herhalten, den alten Göttinnen-Glauben zu überlagern. Wurden zuvor die Bethen schon in christliche heilige Jungfrauen umgewandelt, so erinnerte dies offenbar immer noch zu sehr an ihren Ursprung an die Göttinnen-Triade. Also wurden die drei Herren auf ihren Kamelen erfunden.

Umdeutung der drei Bethen in heilige drei Könige

Die Geschichte, dass da weder Heilige, noch drei, noch Könige vor rund zweitausend Jahren nach Beth-lehem kamen (wo eigentlich eher die Bethen hingehören, die bei einem neugeborenen Kind wahrscheinlich auch hilfreicher gewesen wären), ist ja nicht mehr besonders neu. Im „Evangelium nach Matthäus“, mit dem das so genannte Neue Testament redaktionell beginnt, ist lediglich die Rede davon, dass „Sterndeuter (Magier) aus dem Osten“ gekommen seien (Mt 2, 1-12), von denen auch keine Namen genannt werden.

Erst im 9. Jahrhundert n.u.Z. wurden sie mit den heute bekannten Namen Kaspar, Melchior und Balthasar ausgestattet. Dass die Anfangsbuchstaben des weit gereisten Trios „K+M+B“ mit denen der, in den Ostalpen seit bald 1000 Jahren allgegenwärtigen Frauen-Trinität Katharina+Margarethe+Barbara ident sind, ist natürlich kein Zufall.
Offenbar geht es um den heute leicht durchschaubaren Versuch, die bis weit ins zweite nachchristliche Jahrtausend tief verehrte, uralte keltische Bethen-Trinität endlich durch katholische Alternativen zu ersetzen. Auch die orientalischen Könige schreiben ihre Segenszeichen mit Kreide auf den Türstock: K + M + B – was im Volk als Kaspar, Melchior und Balthasar verstanden wird. Die Kirche macht daraus zusätzlich noch „Christus + Mansionem + Benedicat“, „Christus schützt dieses Haus“.

Das unfruchtbare Bemühen der Umdeutung der Göttinnen in orientalische Könige wird trotz versuchter Verschleierung letztendlich gerade in den Namens-Spielen und Initialen-Deutereien sichtbar! Genauso wie die schwarze Barbara, die weiße Katharina und die rote Margaretha mit ihren Vorfahrinnen Borbeth, Wilbeth und Ambeth bis in die Symbolfarben übereinstimmen, so war Kaspar der schwarze Schatzmeister, Melchior der weiße König des Lichts und Balthasar der „christianisierte“ rote Belsazar oder Baal(!), der Stierheros der syro-phönikischen Kuhgöttin und Gebieterin des Himmels Anath, mythologische „Schwester“ der fruchtbaren keltischen Ana-beth oder Ambeth!

X als Zeichen des Lebens und der Gebärhaltung ist ihr Symbol

Was ihre Segenszeichen bzw. Anfangsbuchstaben angeht, gibt es einen kleinen, aber be­deu­tenden Unterschied zwischen den Zei­chen der 3 Her­ren aus den Morgenland und jenen der Muttergöttinnen: Zwischen den Segenszeichen der „Heiligen drei Madln“ finden wir nicht das Kreuz als Zei­chen des Todes „+“ son­dern das „x“ als Zei­chen des Lebens – die Ge­bärhaltung, wie wir sie z.B. auch von der russischen Wintergöttin Rozha­nitza ken­nen – das hoffnungsfrohe Öffnen hin zur Erde und zum Himmel.

Andrea Dechant

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Frohe Weihnachten wünscht FlowBirthing!

Flowbirthing Rozhanitza Frau

Wir wünschen allen ein frohes Weihnachtsfest und ein glückliches Jahr 2016.

Zwischen den Jahren ruht der FlowBirthing-Blog. Im neuen Jahr geht es wieder voller Elan und Kraft weiter.

Allen, die in den Tagen um Weihnachten ein wenig Konversationsstoff brauchen, ist das E-Book „Geschichten vom Weihnachtsmann, Muttergöttinnen, Schamanen und Rentier-Damen“ von Andrea Dechant ans Herz gelegt. Es steht kostenlos zum Download bereit.

Mythen über 90 Göttinnen

Andrea Dechant

Der dunkelste Tag des Jahres, der 21. Dezember, leitet zugleich auch die Geburt des Lichtes ein. Es ist die „Nacht der Mütter“, der „Modrahit“. Denn in dieser Nacht gebiert die Göttin tief in der finsteren Erde in der stillsten aller Stunden das neue Sonnenkind.

Unsere angelsächsischen AhnInnen feierten „Modraniht“ – die „Nacht der Mütter“, die später im Römischen Reich in „matrum noctem“ umgewandelt wurde. In dieser Nacht gebiert die Göttin tief in der finsteren Erde in der stillsten aller Stunden das neue Sonnenkind. Je nach Auslegung ist diese Mutternacht die Nacht auf den 21. auf den 22. bzw. auf den 25. Dezember.

Es gibt eine Reihe an Beispielen aus vorpatriarchalen Traditionen, die als Zentrum die Verehrung der Göttin als Mutter des Göttlichen Kindes hat. Der Schwerpunkt lag dabei immer auf der Mutter und nicht auf dem Kind.

Diese stille, dunkle Zeit im Jahr eignet sich ja ganz hervorragend für gute Lektüre. Und weil es bei Weihnachten ja um eine ganz besondere Geburt geht, empfiehlt sich natürlich das neue artedea-E-Book über die Göttinnen der Geburt. Es erzählt spannende und faszinierende Geschichten und Mythen rund um die Geburt. Die Weisheit der Geburtsgöttinnen und der Erfahrungsschatz alter Kulturen ist eine reiche Quelle, um sich mit der weiblichen Schöpfungskraft zu verbinden.

Diese Sammlung ist einzigartig. Soviel geballtes mythologisches Wissen rund um Schwangerschaft und Geburt gab es noch nie. Es ermutigt Frauen, sich in die lange Reihe ihrer Ahninnen einzuklinken, die über die Jahrtausende hinweg Schwangerschaft und Geburt erlebt haben. Frauen werden durch die Mythen rund um die Göttinnen bestärkt, wieder mehr auf ihre eigene Kraft zu vertrauen, mit der sie befähigt wurden, Leben zu geben.

Die Mythen von 90 Göttinnen erzählen erstaunlichen Geschichten davon, wie Menschen sich vorgestellt haben

  • wie Leben entsteht
  • was Fruchtbarkeit und die Erfüllung eines Kinderwunsches unterstützt
  • die Schwangerschaft und die Geburt erleichtert werden
  • was den Milchfluss fördert und das Neugeborene beschützt

​Eine interessante Lektüre in der Schwangerschaft, vor der Geburt und bei Kinderwunsch. Dieses Buch ist natürlich auch für alle, die Geburten unterstützen, ein erhellendes Nachschlagewerk, das mit Sicherheit auch Hebammen, GynäkologInnen, Doulas, Stillberaterinnen bereichert.

Andrea Dechant hat mir ihren Göttinnen-Bildern das Buch FlowBirthing illustriert. Ihr umfangreiches mythologisches Wissen zu Göttinnen, Urmüttern und matriarchalen Lebensweisen ist in ihr neues E-Book eingeflossen

Mehr Infos hier: http://artedea-shop.net/Wie-Goettinnen-die-Kinder-bringena

Ahnenkult an Halloween

Andrea Dechant

Ein zentraler Punkt von Halloween- bzw. Samhain-Feiern ist der Kontakt zu Wesen aus „anderen Welten“ und das Ehren der AhnInnen. Der Ahnenkult ja hat überall auf der Erde einen hohen Stellenwert, wie wohl er unterschiedlich ausgeprägt ist und zeremoniell begangen wird. Diese Verbindung zu den AhnInnen war in vielen alten Kulturen eine der größten Kraftquellen.

Er ist so etwas wie ein Durchgang oder die Schnittstelle zur „Anderswelt“, er kann die Verbindung zu helfenden und beratenden Wesen schaffen. Oft sind Dinge, Themen, Probleme für uns allein zu groß. Wir sind zu sehr verstrickt, emotional zu nahe am Thema. In vielen Kulturen und spirituellen Richtungen wird Wesen, Kräften, AhnInnen, Verbündeten aus anderen Welten die Fähigkeit zugesprochen, dass sie einen größeren Überblick, andere Sichtweisen, mehr Lebenserfahrung haben und uns daher dabei unterstützen können, unser Leben zu meistern.

Menschen haben zahlreiche Möglichkeiten gefunden, mit ihren AhnInnen in Kontakt zu treten. Eine davon ist ein Ahninnentopf, bearbeitet durch die „Wilde Welt“. Alles, was in diesen Topf hineingelegt wird, wird diesen Wesen anvertraut, um von ihnen transformiert, durchgewirbelt, geprüft, magisch bearbeitet zu werden. Der Bezug zur „Wirklichkeit“, so wie wir sie oft auch sehr eingeschränkt wahrnehmen, löst sich auf, verliert sich, wird neu zusammengefügt. Die Dinge, Themen, Probleme, die den Ahninnen anvertraut werden, alles, was im Topf ruht, brodelt, weich gegart wird, befindet sich in der „Wilden Welt“, für die die Gesetze unseres normalen Alltags nicht gelten.

Der Ahninnentopf ist auch so etwas wie ein mütterlicher Bauch, den alle blutsverwandten und spirituellen Ahninnen bereithalten, ein Ausdruck dessen, dass eine Frau in der diesseitigen Welt nicht allein ist und auf die Unterstützung der Ahninnen zurück in der Zeit zählen kann.

Wie du so einen Ahninnentopf gestalten kannst und noch weitere Anregungen, um Halloween/Samhain alleine, im Kreis von FreundInnen oder der Familie Halloween magisch feiern kannst, finden sich im artedea-E-Book „Samhain: Halloween – Das Fest des Rückzugs und der Stille“.

Andrea Dechant

Frauendreißigst

Andrea Dechant

Zwischen Mitte August und Mitte September ist traditionell eine besondere Zeit der starken Frauenkraft – der sogenannte „Frauendreißigst„. Jetzt – mitten in der Erntezeit – wurde seit jeher die große Erdgöttin gefeiert, die sich jetzt so üppig verschenkt. Der Ursprung des „Frauendreißigst“ liegt vor allem auch in der konkreten Erfahrung, nach der diese Spanne als besonders günstige Zeit für das Sammeln von Kräutern gilt. Diese wurden in dieser Zeit auch verarbeitet – zu Tees, Tinkturen, Likören, Salben, Kräuteressig etc. Sie galten als besonderes Geschenk der „Großen Göttin“ und waren früher die „Hausapotheke“, mit der die Menschen den Winter überstehen konnten.

Jetzt – kurz bevor sie sich verblüht wieder in die Erde zurückziehen – haben die Kräuter das ganze Licht der Sommersonne gespeichert und damit wird ihnen die größte Heilkraft zugeschrieben. Diese besondere Zeit der Frauenspiritualität basiert auf den Mythen rund um die Vegetationsgöttinnen. Nach den alten Geschichten treten diese im späten Sommer gemeinsam mit ihren Pflanzen die Reise in die „Anderswelt“ an und hinterlassen ihre heilenden Kräfte den Menschen in den Kräutern, deren Stängel, Blätter und Wurzeln vor allem um diese Zeit gesammelt werden.

Die damit verbundenen Bräuche waren so tief verwurzelt, dass sie in christliche Riten übernommen wurden. Und da es sich ja um altes Frauenwissen handelt, musste dazu vor allem die christliche Muttergöttin Maria herhalten, die nach katholischer Auffassung in dieser Zeit besonders wirksam ihre Gnade spüren lassen soll. Anfang und Ende der „Frauendreißigst“ ist traditionell der Große und der Kleine Frauentag (15. August und 8. September) – im katholischen Kalender: Mariä Himmelfahrt und Mariä Geburt.
Die Kräuter und Blumen, die Frauen in dieser Zeit sammeln, ergeben farbenprächtige und würzig duftende Sträuße. Auf besondere Art gebunden – mit Wünschen und Zauber versehen und geweiht, werden sie zu „magischen Kräuterbüschel“ – daher auch die Bezeichnung „Frauenbüscheltag“ für den 15. August.

Die damit zusammenhängende Kräuterweihe, die viele nur im katholischen Sinne kennen, ist natürlich viel älter als der Marienglaube und wurde sogar im Jahr 745 von der Kirche als „heidnisch“ angesehen und daher verboten.

Da die Riten, die mit den alten Göttinnen in Verbindung stehen, nie ganz ausgelöscht werden konnten, haben die Kirchenväter schließlich beschlossen, die Kräuter zu Ehren der Maria zu weihen.
Zu den Kräuterbüschel gibt es jede Menge Überlieferung, das betrifft sowohl die einzelnen Pflanzen, die auf keinem Fall in einem solchen Strauß fehlen dürfen, als auch die Wirkung von magischen Zahlen wie auch sonstige (versteckte) Beigaben.
So findet sich in so manchen Büscheln auch Kröten – die sogenannten „Dreißgen- Höppinnen“. Das hat auch seinen guten Grund: Kröten haben eine starke weibliche Symbolkraft. Sie stehen in vielen Kulturen für die Gebärmutter, die Vulva, bzw. allgemein für die weiblichen Geschlechtsorgane, für einen Fötus oder auch für die Gebärhaltung. In Märchen (z.B. Dornröschen) kündigen sie als Fruchtbarkeitselement häufig von einer bevorstehenden Schwangerschaft.
Viel mehr zu den magischen Zahlen, der Wirkungsweise dieser Büschel und wofür sie verwendet wurden, von den sogenannten „Fraueneiern“, die in dieser Zeit auch eine große Rolle spielen und von alten Göttinnen- und Frauentraditionen sind im artedea-E-Book „Frauendreißigst“ nachzulesen.
Und das beste daran: Das kann jetzt kostenlos heruntergeladen werden: HIER
Andrea Dechant

Blauer Mond

Andrea Dechant

Das kommt nur alle paar Jahre vor: Innerhalb eines Kalendermonats 2 Vollmonde. „Once in a blue moon“ – diese Redensart bezeichnet im englischen Sprachraum ein spo­ra­disch auftretendes, sehr seltenes Ereignis. So wie eben ein 2. Vollmond innerhalb eines Monats. Am 31. Juli 2015 haben wir so einen. Der letzte war 2012, der nächste kommt 2018. Und dieser „Blaue Mond“ ist Ausdruck starker Frauenkraft.

Warum das so ist, dazu ein kleines Rechenexempel:
Matriarchale Kulturen kannten einen großen Zyklus, der 13 Vollmonde umfasst. Patriarchale Einflüsse konnten diese sehr weibliche Einteilung, die sich nicht nur an den Mondphasen sondern auch am Menstruationszyklus der Frauen orientierte, nicht mehr als Zeiteinteilung gelten lassen.

Und so wurde aus dem lunaren der solare Kalender, der die willkürliche Einteilung in 12 Monate vorsieht. Die einzelnen Monate mit ungleich vielen Tagen – 28, 29, 30, 31. Allerdings gäbe es eine viel einfachere Unterteilung dieser 365 Tage. Teilen wir diese durch 28, so kommen wir im Jahr auf 13 Monate, was viel eher einem natürlichen Rhyth­mus, zumindest jenen der Frauen entspräche. Der Julianische Kalender nach Julius Cäsar legte diese zwölf Abschnitte fest, bei denen der Mond keine Rolle mehr spielt – lediglich die Ähnlichkeit der Worte „Mond“ und „Monat“ erin­nern an seine frühere (matriarchale) Bedeutung für den Kalender.

Besonders in agrarischen Kulturen sind die Mondphasen für die Zeiten der Saat, Ernte und für andere Feldarbeiten sehr wichtig. Daher werden in agrarischen Kalendern die „Monate“ immer nach Monden bezeichnet, wie Lenzmond, Wonnemond, Erntemond, Frostmond u.s.f. Allerdings reibt sich der natürliche Zyklus der Vollmonde immer wieder mit der willkürlich-patriarchalen Jahreseinteilung in 12 Monate. Damit kommen auch die Mondbezeichnungen durcheinander. So kämpfte auch der „Maine Farmers‘ Almanac“ – ein bäuerlicher Kalender, der im Nordosten der USA her­aus­kam – mit der Diskrepanz von Monden und Monaten: Mitunter rutsche der „Erntemond“ schon vor die Erntezeit oder der „Mond nach Weihnachten“ , leuchtet schon vor dem 24. Dezember. Denn das Problem mit den 12 patriarchalen Monaten war nun, dass es eben immer wieder 13 Vollmonde innerhalb von 365 Tagen gibt. So entschlossen man sich bei „Maine Farmers‘ Almanac“, nötigenfalls einen weiteren Mondnamen einzusetzen – dieser wurde dann „Blue Moon“ bezeichnet.

Da der Menstruationsrhythmus der Frauen dem des Mondrhyth­mus gleicht, ist der „Blaue Mond“ deutliches Zeichen der ur­sprüng­li­chen weiblichen Kräfte, die sich durch nichts und schon gar nicht durch eine pat­riarchale Kalen­der­einteilung korrumpieren lassen. Vom Blauen Mond wird daher gesagt, dass er besonders „zauberkräftig“ sei und vor allem Frauen bei „magischen An­liegen“ und in ihrer Urkraft unter­stützt.
Sehr deutlich ist dieser Übergang von der lunar bestimmten Welt auf jene der solar-patriarchalen im Märchen Dornröschen beschrieben: Zur Taufe der Prinzessin konnten nur 12 der 13 Weisen Frauen eingeladen werden, weil der König nur 12 golde­ne Teller zur Verfügung stellen konnte oder wollte.

Die 13. Weise Frau (das Wort „Fee“ kommt im übrigen im Text des Märchens nirgends vor) hätte aus einem silbernen Teller essen müssen. Und das wollte der König ihr (und vor allem wahrschein­lich sich selbst) nicht antun. Die goldenen Teller sind Hinweis auf die 12 Sonnenmo­na­te, der 13. silberne Teller steht für die Mondmacht. Und diese wollte der patriarchale König in seinem Reich nicht haben.

Die 13. Weise Frau wurde also nicht eingeladen, der weitere Verlauf der Geschichte ist bekannt.
Es ist anzunehmen, dass diese dem Mädchen nicht den physischen Tod wünschte, son­dern den Übergang vom Kind in das Frau-Sein, wenn der dafür richtige Zeitpunkt ge­kommen ist. Das Kind „stirbt“ und wird als Frau wieder­geboren – dann, wann ihr erstes „Mondblut“ fließt. Die Mond-Kraft kann auch kein König dieser Welt aufhalten. Das heranwachsende Mädchen interessiert sich für das Spinnen, das immer ein Sym­bol für die zyklischen Bewegungen und Kräfte ist, für das Rad des Lebens, das Rad des Jahres, für den Menstruations­zyklus mit seinem Werden und Sterben: Der Stich an der Spindel ist eine Allegorie dafür, dass das Mädchen zu bluten beginnt, die junge Frau bekommt nun ihre „Mondzeit“.

Andrea Dechant

Mehr Hintergrund-Infos über den Blauen Mond bzw. Anregungen für ein magisches Blaues-Mond-Fest im Frauenkreis gibt es im artedea-E-Book „Die Magie des Blauen Mondes

Der längste Tag des Jahres

Andrea Dechant
Die kürzeste Nacht bzw. der längste Tag des Jah­res stellt einen Wen­depunkt im Jah­res­kreis dar. Viele Kulturen haben diese Zeit des Jahres als etwas Magisches verstanden. Der Sommer beginnt gerade, die glutheißen Ta­ge des Juli und August liegen noch vor uns, jetzt ruhen wir für einen Augenblick zwischen Aussaat und Ernte. Eine gute Zeit, für einen Mo­ment inne halten zu halten, die Wärme zu genießen und die Fülle, die die Natur jetzt bie­tet, zu feiern.
Und doch ge­schieht es ge­nau jetzt, in die­sen Stun­den, dass wir be­reits Ab­schied neh­men. Ganz un­merk­lich, aber ste­tig hat die Son­ne ih­ren höch­sten Stand er­reicht und schleicht sich ab jetzt wie­der aus den Tagen davon. Man kann es ja kaum glauben, aber mit Som­mer­beginn am 21. Juni wer­den die Tage wie­der kürzer und die Nächte län­ger. Das Rad dreht sich un­weigerlich weiter zur dunklen Seite.
Die weibliche Kraft der Göttin erreicht zur Som­merson­nen­wen­de ihren Höhepunkt. Jetzt ist sie nicht mehr die ganz junge, mäd­chen­haf­te Frühlingsgöttin sondern wandelt sich in die reife Frau und wird damit zur Frucht­barkeit spendenden Er­näh­rerin und müt­terlichen Göttin. Voll erblüht regiert sie über den Sommer.

Es sind die großen Mut­ter­göttinnen, die zur Som­mer­sonnenwende geehrt werden – Göt­tin­nen, die Fülle und Über­fluss brin­gen. Sie ist aber auch eine ruhige und wissende Göt­tin, denn noch ist die Na­tur noch nicht so­weit, dass ge­erntet werden kann. Sie lehrt vor al­lem Ge­duld, dass das, was wir schon se­hen, spü­ren und er­ah­nen noch eine Zeit des Rei­fe­pro­zes­ses braucht, um wirklich gut zu sein.

So ist Juno, nach der der gesamte Monat Juni benannt ist, eine Schwellengöttin. Als Göttin der Eingänge, Durchgänge, Türen, als Per­so­ni­fi­ka­tion der Pfor­te hat sie zwei Ge­sich­ter und zwei Blick­rich­tun­gen: nach draußen auf die Geburt hin und nach innen auf den Tod. Das ist auch das Sym­bol für die­sen Wende­punkt im Jahr. Sie schaut zu Som­mer­be­ginn zurück auf all das, was gesät wur­de und ge­blüht hat und nach vor auf das, was zur Reife gelangt und damit schließ­lich auch wie­der ster­ben muss.
Juno zeigt sich jetzt von ih­rer ein­deutigsten Sei­te – sie ist nicht mehr das früh­lings­hafte Mäd­chen son­dern die jun­ge, starke, er­wachte Frau, die ihr gan­zes frucht­bares Som­mer­leben noch vor sich hat.
Sehr symbolträchtig ist auch Auxo. Die griechische Göttin ist eine der Horen, der Göt­tin­nen der Jahres­zei­ten und der natür­li­chen Ord­nung. Sie steht als Som­mer­göttin zwischen ihren bei­den Schwes­tern, der be­rau­schen­den Früh­lings­göttin Thallo und der Herbst- und Ernte­göttin Karpo. Auxo erfreut durch warme Som­mer­tage, doch sie lehrt auch Geduld.
Alles reift heran, doch es ist noch nicht reif, es ist noch nicht die Zeit der Ernte. Obwohl die Früchte schon am Baum leuch­ten und sich auf den Felder sich schon das Getreide im Wind wiegt. Das erinnert uns an viele andere Situa­tio­nen in unserem Leben: Das Un­geborene regt sich schon im Mut­ter­leib, das Konzept für das neue Projekt ist schon geschrieben, der Urlaub ist schon gebucht – doch es ist noch nicht so weit …
Wer jetzt ungeduldig wird, beißt in den sprich­wört­li­chen sau­ren Apfel.
Die gute Botschaft: Es gibt im Moment nichts zu tun. Die Dinge rei­fen von selbst heran, Auxo lehrt damit vor al­lem Frauen, die oft sehr un­ge­dul­dig sind und stän­dig etwas tun wollen, die Kunst des War­tens. Sie ist da­mit auch die Göt­tin der Ruhe. Es ist wie an einem ange­neh­men Som­mer­tag: Lehn‘ dich zurück und ge­nieße die Wärme und den warmen Som­merwind, den Auxo schenkt. Bald, wenn ihre Schwes­ter Karpo die Re­gent­schaft über­nimmt, gibt es wie­der viel zu tun. Jetzt kann dafür Kraft und Ruhe ge­sam­melt wer­den.
In diesem Sinne wünsche ich einen geruhsamen Sommerbeginn und viel Geduld bei allem, mit dem ihr gerade schwanger geht!
Andrea Dechant
Mehr Infos zu den erwähnten Göttinnen auf www.artedea.net
Mehr zu den Mythen, Rituale und Brauchtum sowie den Göttinnen des Sommerbeginn – im artedea-e-book: „Sommersonnenwende – Litha – Mittsommer: Das feurige Fest des Sommerbeginns“
Mit vielen Anregungen, diesen langen Tag und diese kurze Nacht magisch zu feiern.
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Weibliche Schöpfungskraft

Andrea Dechant

Pfingsten, mit diesem christlichen Fest ist das Symbol der Taube verknüpft. Kaum jemand weiß heute noch, dass die Taube bereits das Attribut der alten Muttergöttinnen war. Wer dieser Spur nachgeht, kommt auf eine Bedeutung von Pfingsten, die nur wenigen bewusst ist: Pfingsten ist die Feier der weiblichen Schöpfungskraft mit ihrem ganzen Ideenreichtum, der Weisheit, die von Beginn an da war.

In nahezu allen Mythen, Religionen und Kulten wird der Schöpfungsakt, dieses Ur-Gebären entweder einer weiblichen Gottheit oder dem Zusammenwirken von einer weiblichen und einer männlichen Gottheit zugeschrieben. Auch unter dem uns bekannten „Heiligen Geist“ verstand man seit jeher eine göttliche Kraft mit eindeutig weiblichen Zügen. Personifiziert und verehrt als Sophia, die große Muttergöttin des Juden- und Christentums, welche der Welt das Licht brachte und von Ewigkeit her eingesetzt war.

In einer wenig beachteten hebräischen Bibelstelle (AT, Tanach, Sprüche 8,22-31) ist eine interessante Darstellung der Schöpfung zu lesen: „Der HERR hat mich schon gehabt im Anfang seiner Wege, ehe er etwas schuf, von Anbeginn her. Ich bin eingesetzt von Ewigkeit her, im Anfang, ehe die Erde war. Als die Meere noch nicht waren, ward ich geboren, als die Quellen noch nicht waren, die von Wasser fließen. Ehe denn die Berge eingesenkt waren, vor den Hügeln ward ich geboren, als er die Erde noch nicht gemacht hatte noch die Fluren darauf noch die Schollen des Erdbodens. Als er die Himmel bereitete, war ich da, als er den Kreis zog über den Fluten der Tiefe, als er die Wolken droben mächtig machte, als er stark machte die Quellen der Tiefe, als er dem Meer seine Grenze setzte und den Wassern, dass sie nicht überschreiten seinen Befehl; als er die Grundfesten der Erde legte, da war ich als sein Liebling bei ihm; ich war seine Lust täglich und spielte vor ihm allezeit; ich spielte auf seinem Erdkreis und hatte meine Lust an den Menschenkindern.“ Wer spricht hier? Ein Wesen, das auch immer wieder als „Frau Weisheit“ bezeichnet wird.

Sophia, die Frau Weisheit ist die Urkraft, der ganze kosmische Ideenreichtum. Sie manifestierte sich aus dem Absoluten, dem Urklang und ist als dynamische Energie während des gesamten Schöpfungsaktes die treibende, die weise, die kreative Kraft. Vielleicht hüpfte sie fröhlich von Einfall zu Einfall: Warum nicht einen anmutig gekurvten Raum? Sie klatscht in die Hände: Warum nicht Myriaden pfiffiger Moleküle? Sie summt ihr Lied: Warum nicht schleierwehende Wirbel, Gase? Oder Materie, schwebend, fliegend, rotierend? Sie lächelt und träumt: Meere, Berge, Gräser, Kräuter, Bäume, Wesen, die krabbeln, fliegen, schwimmen – das wäre doch hübsch. Alles ist möglich in diesem Urzustand. Sophia tanzt – leicht wie die Zeit – ihren kosmischen Tanz. Ihre Melodie ist der wildeUrknall, dem Wirbel, Bewegungen, Töne entsprangen, Räume, Zukünfte, erste Vergangenheiten. Sie erstreckt sich über das sich freudig ausdehnende All.

Man stelle sich also vor: Gott in Geselligkeit, Gott mit Sophia, jener Göttin, die die Weisheit repräsentiert, noch ehe alles begann. Zwei, die höchst spielerisch miteinander umgingen und die sich in ihrer lustvollen Schaffenskraft gegenseitig beflügeln. Er macht, sie liefert die Ideen und die Kraft. Was für ein anderes Bild der biblischen Schöpfungsgeschichte. Was für eine Lebensfreude, die daraus spricht.

Andrea Dechant
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Kraftvolle Feste im Mai

Andrea Dechant

Die gesamte Natur ist im Mai auf Fruchtbarkeit und Fortpflanzung, auf Wachsen, Hervorsprießen und Gedeihen eingestellt. Wie eindrucksvoll muss das in früheren Zeiten gewesen sein. Nach der langer Winterzeit in der Enge und Dunkelheit in den Häusern konnten nun im Mai die Menschen ihre Lebens- und auch Sinneslust endlich wieder in der Natur unter freiem Himmel entfalten.

Dieser Übergang musste gefeiert werden! Die allerletzten Reste des Winters wurden nun mit magischen Ritualen ausgetrieben und verbannt, um damit dem Sommer (und der Fruchtbarkeit!) zum endgültigen Durchbruch zu verhelfen.

Der Frühling ist nun in seiner vollen Blüte: Farbenrausch, Blütenduft, Insektengesumme, Sinnlichkeit und aufkeimende Fruchtbarkeit, wohin das Auge blickt, das Ohr lauscht und die Nase Düfte von Flieder, Maiglöckchen und Kirschblüten einfängt. Eine Energie, die wir heute noch spüren und auch in vielfältiger Weise zum Ausdruck bringen: Einfach, in dem wir die ersten Gartenpartys steigen lassen und mit Maibowle anstoßen, im Straßencafé sitzen und die Sonne genießen oder uns darüber freuen, wenn in den Dörfern die Maibäume aufgestellt werden. Viele Interessensgruppen haben die Kraft dieser Jahreszeit erkannt und wissen sie für ihre Zwecke zu nutzen: Von der katholische Kirche, die jetzt allerlei Marien-Feste veranstaltet bis zum 1. Mai als „Tag der Arbeit“.

Der Übergang vom 30. April auf den 1. Mai galt als besonders magisch. Im Zentrum vieler Feiern stand die weibliche Kraft, vertreten durch eine Göttin wie z.B. Belena, die feurige keltisch-gallische Göttin oder Walburg, die germanisch-angelsächische Maikönigin. Die Feste wurden vermutlich auch nach diesen mythologischen Frauenfiguren benannt: Beltane, Walpurgis bzw. Walpurgis-Nacht. Die römische Göttin Maia gab dem ganzen Monat ihren Namen. Ihr Name leitet sich vom lateinischen magnus (= groß, mehr) ab, denn sie ist die, die jetzt alles vergrößert und vermehrt.

Die Fruchtbarkeit, Sinnlichkeit und Lebenskraft, die jetzt in der gesamten Natur zum Ausdruck kommt, sollte sich auch auf die Menschen übertragen.

In der Walpurgis-Nacht fliegen die Hexen auf ihren Besen auf den Brocken, heißt es. Zu Beltane feiern Frauen und Männer die wilden heidnischen Rituale der „Heiligen Hochzeit“. Woher kommen diese Zuschreibungen, die jeglicher historischer Quellen entbehren?

Das Fest der Lebenslust, der sinnlichen Vereinigung, aus der wiederum neues Leben entsteht, wurde speziell im christlichen Gedankengut in eine Nacht voll von abartigen Ritualen uminterpretiert. Die Mutmaßungen und böswilligen Unterstellungen, welche wilden, ausschweifenden bis satanisch-perversen Dinge die sogenannten Hexen in den Maiennächten treiben, kostete in Zeiten der Inquisition vielen Frauen das Leben.

Und das spüren Frauen subtil immer noch als Angstpotential, Körpererinnerung und genetisches Gedächtnis. Trotz Aufklärung und scheinbarer Freiheiten leben Frauen unseres Kulturkreises daher selten das volle Potential.

Höchste Zeit also, dieses wieder in unser Leben und unsere Welt zu bringen! Der Monat Mai ist dafür die passende Gelegenheit. Feiern wir kraftvolle, sinnliche berauschende Mai-Feste – im Frauenkreis oder gemeinsam mit den Männern als Ausdruck unserer schöpferischen Kraft, unserer Lebenslust und der Freude am Austausch und Miteinander-Sein.

Andrea Dechant
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