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Der Kult um die drei Bethen

Andrea Dechant

Die drei Bethen werden meist als gütige Frauen beschrieben, die durch die Lande ziehen, weisen Rat erteilen, Gaben schenken und mit denen man auch über das Schicksal reden oder verhandeln kann. Die Menschen glaubten an die Kraft der Bethen und wandten sich an sie bei Angelegenheit in Sachen Fruchtbarkeit bei Mensch, Tier und Feldern, für den Schutz der Arbeit bei allen Erntezyklen, bei Geburten, Krankheiten und Tod.

Der Kult um die drei Bethen

Der Glaube und der Kult rund um die drei Bethen hielt sich im Volk sehr lange. Allerdings unterlagen die Namen der einzelnen Göttinnen immer wieder verschiedenen Änderungen, ihre grundsätzliche Kraft und ihre Wirkungsweise blieben allerdings weitgehend gleich. Kannte man die drei Göttinnen als keltische Ambeth, Wilbeth und Borbeth, so erschienen sie unter dem Einfluss des Christentums und des römischen Reichs und dessen Wertbegriffen göttlicher Verehrung als die Heilige Fides, die Heilige Spes und die Heilige Caritas.

In den keltisch geprägten Ostalpen war die römisch-katholische Maria anfänglich keine passende Lösung, um den mütterlich-weiblichen Aspekt der Großen Göttin zu ersetzen. Hier mussten die alten Bethen herhalten, die im Laufe des Mittelalters zu den „Drei Heiligen Madln“ modifiziert wurden.

Die göttliche Triade

Wilbeth, Ambeth und Borbeth bilden als Bethen die göttliche Triade als Erd-, Mond- und Sonnenmutter. Sie sind Schicksalsgöttinnen und im christlichen Sinn Nothelferinnen.

Ambeth, die zu Margarethe wurde, ist die Leben gebärende Mutter, sie ist licht und gut. Als Symbol für das Ewige Leben, für den Kreislauf „Geburt-Tod-Wiedergeburt“ ist sie oft mit einer Schlange der Urmutter dargestellt. Wilbeth-Katharina teilt das Schicksal zu und symbolisiert den Lebenslauf. Wil-Beth hat als erste Silbe „Wil“ und entspricht dem englischen „Wheel“, das Rad bedeutet. Wil-Beth heißt demnach „Rad-Bethe“, im Sinne von Schicksals-Bestimmerin oder Lebensrad. Auf ihrem Spinnrad spinnt sie den Lebensfaden.

Borbeth wurde zu Barbara. Sie hat den typischen Leben-Tod Aspekt. Zum einen schneidet sie den Lebensfaden ab. Die Silbe „Bar“ bedeutet einerseits gebären, geborgen (englisch: born), andererseits auch Bahre, Totenbahre. BAR hat auch als Rune genau diese Bedeutung. Borbeth verkörpert die Mutter Erde, die ihren dunklen, bergenden Schoß auftut, um Menschen zu gebären und wieder in sich aufzunehmen. Ihr Symbol ist der Turm oder Bergfried, der zur Bewachung dient und damit Geborgenheit und Sicherheit garantiert. Sie stellt auch den dunklen, schwarzen Aspekt der Göttin dar, der vor allem im Winter seinen Platz hat.

Erd-, Mond- und Sonnenmutter

Die Silbe „Beth“ in Am-, Bor- und Wilbeth ist der Name der Erdgöttin schlechthin, der sich bis heute in dem Bett, in dem wir schlafen, gehalten hat. Denn ursprünglich schliefen die Menschen nicht auf Matratzen, sondern auf der (Mutter-)Erde. So wie auch die Blumen noch im Beet gut aufgehoben sind. Und „beten“ und „bitten“ ist davon abgeleitet und heißt eigentlich „die Göttin anrufen“. Die „Beteltänze“ und „Bettelumzüge“aus dem Mittelalter, die Bettelstege auf den Wanderwegen, der Bittgang sind alle von den Bethen abzuleiten.

Speziell am Ende der Rauhnächte in der Nacht zum und der Tag des 6. Januar treten die drei Bethen auf. Das ist auch die große Zeit der Göttin Percht, weswegen wahrscheinlich die Bethen oft auch „Perchten“ genannt werden. Sie segnen Haus, Hof, Mensch und Vieh, als Zeichen, dass sie da gewesen waren, hinterließen sie drei „x x x“ bzw. ihr K x M x B an Haus- und Stalltüren. Das kommt wahrscheinlich bekannt vor. Denn dieser Tag ist ja eher als Drei-Königstag bekannt. Die Weisen aus dem Morgenland mussten – wie so oft andere Geschichten und Figuren des Christentums – dafür herhalten, den alten Göttinnen-Glauben zu überlagern. Wurden zuvor die Bethen schon in christliche heilige Jungfrauen umgewandelt, so erinnerte dies offenbar immer noch zu sehr an ihren Ursprung an die Göttinnen-Triade. Also wurden die drei Herren auf ihren Kamelen erfunden.

Umdeutung der drei Bethen in heilige drei Könige

Die Geschichte, dass da weder Heilige, noch drei, noch Könige vor rund zweitausend Jahren nach Beth-lehem kamen (wo eigentlich eher die Bethen hingehören, die bei einem neugeborenen Kind wahrscheinlich auch hilfreicher gewesen wären), ist ja nicht mehr besonders neu. Im „Evangelium nach Matthäus“, mit dem das so genannte Neue Testament redaktionell beginnt, ist lediglich die Rede davon, dass „Sterndeuter (Magier) aus dem Osten“ gekommen seien (Mt 2, 1-12), von denen auch keine Namen genannt werden.

Erst im 9. Jahrhundert n.u.Z. wurden sie mit den heute bekannten Namen Kaspar, Melchior und Balthasar ausgestattet. Dass die Anfangsbuchstaben des weit gereisten Trios „K+M+B“ mit denen der, in den Ostalpen seit bald 1000 Jahren allgegenwärtigen Frauen-Trinität Katharina+Margarethe+Barbara ident sind, ist natürlich kein Zufall.
Offenbar geht es um den heute leicht durchschaubaren Versuch, die bis weit ins zweite nachchristliche Jahrtausend tief verehrte, uralte keltische Bethen-Trinität endlich durch katholische Alternativen zu ersetzen. Auch die orientalischen Könige schreiben ihre Segenszeichen mit Kreide auf den Türstock: K + M + B – was im Volk als Kaspar, Melchior und Balthasar verstanden wird. Die Kirche macht daraus zusätzlich noch „Christus + Mansionem + Benedicat“, „Christus schützt dieses Haus“.

Das unfruchtbare Bemühen der Umdeutung der Göttinnen in orientalische Könige wird trotz versuchter Verschleierung letztendlich gerade in den Namens-Spielen und Initialen-Deutereien sichtbar! Genauso wie die schwarze Barbara, die weiße Katharina und die rote Margaretha mit ihren Vorfahrinnen Borbeth, Wilbeth und Ambeth bis in die Symbolfarben übereinstimmen, so war Kaspar der schwarze Schatzmeister, Melchior der weiße König des Lichts und Balthasar der „christianisierte“ rote Belsazar oder Baal(!), der Stierheros der syro-phönikischen Kuhgöttin und Gebieterin des Himmels Anath, mythologische „Schwester“ der fruchtbaren keltischen Ana-beth oder Ambeth!

X als Zeichen des Lebens und der Gebärhaltung ist ihr Symbol

Was ihre Segenszeichen bzw. Anfangsbuchstaben angeht, gibt es einen kleinen, aber be­deu­tenden Unterschied zwischen den Zei­chen der 3 Her­ren aus den Morgenland und jenen der Muttergöttinnen: Zwischen den Segenszeichen der „Heiligen drei Madln“ finden wir nicht das Kreuz als Zei­chen des Todes „+“ son­dern das „x“ als Zei­chen des Lebens – die Ge­bärhaltung, wie wir sie z.B. auch von der russischen Wintergöttin Rozha­nitza ken­nen – das hoffnungsfrohe Öffnen hin zur Erde und zum Himmel.

Andrea Dechant

www.artedea.net