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Schlagwort: Geburtshilfe

Hebammen-Notstand in Deutschland

Die Lage für die Versorgung werdender Mütter verschärft sich. Ein aktuelles Gutachten belegt den Notstand in der Geburtshilfe. Demzufolge kümmert sich fast die Hälfte der Hebammen in Krankenhäusern „um drei Frauen gleichzeitig während der Geburt“.

Gutachten des Wissenschaftlichen Dienstes des Bundestages
Werdende Mütter können sich immer weniger darauf verlassen, dass bei einer Entbindung in der Klinik eine Hebamme während der ganzen Zeit anwesend ist. Fast die Hälfte der Hebammen in Krankenhäusern kümmert sich „um drei Frauen gleichzeitig während der Geburt“, heißt es in einem noch unveröffentlichten Gutachten des Wissenschaftlichen Dienstes des Bundestags, das dem Netzwerk Elterninitiative Geburtskultur vorliegt.

Grund für den Notstand in der Geburtshilfe
Aus wirtschaftlichen Gründen streichen die Krankenhäuser ihre Geburtsstationen zusammen. Wie aus dem Gutachten hervorgeht, arbeiten 60 Prozent der Entbindungsstationen trotz Sparmaßnahmen nicht kostendeckend. Zudem setzt die Krankenhäuser mit Geburtsstationen unter Druck, dass fast jede zweite Klinik Probleme hat, offene Hebammenstellen zu besetzen, so das Gutachten.

Zahlen sprechen eine klare Sprache
Zwischen 1991 und 2015 ist die Zahl der Krankenhäuser mit Geburtsstationen um 40 Prozent gesunken. Zum Vergleich: Die Zahl der Kliniken ist im gleichen Zeitraum nur um 19 Prozent zurückgegangen. Heute verfügt nur noch etwa jede dritte Klinik über eine Entbindungsstation. Die Zahl der angestellten Hebammen ist in dem Zeitraum zwar von 6620 auf 9081 gestiegen. Dem Hebammenverband zufolge arbeiten mehr als 70 Prozent Teilzeit, gemessen an der Stundenzahl also ein Rückgang.

„Der ökonomische Druck auf Kliniken in Deutschland hat dazu geführt, dass die Versorgung von Frauen in der Geburtshilfe schlecht ist“, kritisiert Martina Klenk, Präsidentin des Deutschen Hebammenverbandes. Einer Leitlinie zufolge sollte jede werdende Mutter durchgehend von einer Hebamme betreut werden, die ihr voll zur Verfügung steht und nicht von Kreißsaal zu Kreißsaal laufen muss. Eingehalten wird die Leitlinie aber nicht.

Politik gefragt, sich für Frauen einzusetzen
„Die Geburtshilfe insgesamt ist chronisch unterfinanziert. Hebammen haben dies bisher kompensiert“, sagt Verbandschefin Klenk. „Wir haben jetzt jedoch den Punkt erreicht, an dem es nicht mehr weitergeht.“ „Im Interesse der Frauen und Säuglinge, aber auch der Hebammen mit ihrer verantwortungsvollen Tätigkeit muss die Politik nun handeln und das Gutachten ernst nehmen.

Die Lage der Geburtshilfe in Deutschland ist ernst
Die Lage für die Versorgung werdender Mütter verschärft sich zudem dadurch, dass auch das Geschäft für die Beleghebammen immer schwieriger wird. Diese arbeiten in der Regel freiberuflich. In den vergangen Jahren sind die Versicherungsprämien für Hebammen derart gestiegen, dass viele aufgaben. Aktuell liegt die Prämie für Berufshaftpflicht nach Angaben des Spitzenverbandes der Krankenkasse bei 6843 Euro jährlich. Immer mehr Hebammen können diesen Betrag nicht aufbringen und müssen aufhören. Oder beginnen angesichts der desaströsen Lage gar nicht erst mit der Ausbildung.

Hebammen sind unersetzlich

Aktuell tagen rund 200 Hebammen in Berlin und entscheiden über thematische und politische Weichenstellungen für 2017 und diskutieren über die Zukunft des Berufs. Die zunehmende Schließung von Kreißsälen an vielen Orten in Deutschland ist dabei eine der drängenden Herausforderungen. Denn der Bedarf an Hebammenhilfe bei Familien steigt. Ein Film des DHV zeigt eindrücklich wie wertvoll die Hebammenarbeit ist für Familien:

Nicht jede Frau findet mehr eine Hebamme

Hebammen sind unersetzbar. Jede Frau und Familie muss wohnortnah Hebammenhilfe bekommen können„, so Martina Klenk, Präsidentin des Deutschen Hebammenverbands e.V. Doch dies ist aktuell nicht mehr gegeben. Bereits seit Jahren geht die Anzahl der Kreißsäle massiv zurück: Gab es 1991 noch 1.186 Krankenhäuser mit Geburtshilfe, waren es 2014 nur noch 725. Der Hebammenverband hat seitdem weitere 44 Schließungen oder drohende Schließungen unter www.unsere-hebammen.de dokumentiert. Auch für die Wochenbettbetreuung und die Schwangerenvorsorge fehlen Hebammen an vielen Orten. „Das geht auf Kosten der Gesundheit von Müttern und ihren Kindern“, so Martina Klenk.

Politische Maßnahmen sind notwendig, um die Not der Hebammen zu wenden

Der Hebammenverband hält politische Maßnahmen für dringend nötig. Auch klein Kliniken brauchen für ihre Geburtshilfestation einen Sicherstellungszuschlag. In den Kliniken müssen Personalbemessung und Abrechnungspauschalen auf den Prüfstand. Eine 1-zu-1-Betreuung durch eine Hebamme für eine Frau und Familie sollte auch in Kliniken Standard sein.

Zudem sollte für freiberufliche Hebammen die Haftpflichtproblematik nachhaltig gelöst werden, um wieder mehr Hebammen in der Geburtshilfe zu halten. Mittlerweile sind nur noch 1.900 freiberufliche Beleghebammen an Kliniken tätig, die derzeit rund 20 Prozent der Geburten an den Kliniken in Deutschland begleiten.

Überbelastung der verbleibenden Hebammen

Die Gründe für die Schließungen von Kreißsälen sind vielfältig. Zum einen haben Kreißsäle mit wenigen Geburtenzahlen beispielsweise im ländlichen Raum Probleme bei der Finanzierung. Zum anderen fehlen mittlerweile an vielen Orten Hebammen. Arbeitsverdichtung und Arbeitsbelastung sind an der Tagesordnung. Immer weniger Hebammen sind bereit, angestellt und Vollzeit an einer Klinik zu arbeiten.

Unsicherheiten rund um Schwangerschaft und Geburt erhöhen Nachfrage nach Hebammen

Gleichzeitig steigt jedoch der Bedarf an Hebammenhilfe bei Frauen bzw. Eltern. Weniger Unterstützung in Familienstrukturen und mehr Unsicherheiten rund um Schwangerschaft und Geburt bedingen eine steigende Nachfrage nach Beratung und Unterstützung durch Hebammen. Eindrucksvoll zeigen Eltern im neuen Kurzfilm des DHV, wie wertvoll die Unterstützung durch Hebammen in der wichtigen Phase der Familiengründung für sie ist.

Der Kurzfilm ist hier zu sehen.

Die Kraft des Weiblichen

Flowbirthing Blog DieKraftdesWeiblichen

„Männlich und weiblich sind elementare Lebensqualitäten: Während die männliche Kraft Lebe, die Leben aus sich heraus schöpfen und ausfüllen kann. Wir alle – Mann und Frau – tragen beide Pole in uns; unseren weiblichen Anteil positiv zu leben und ihm als sinnstiftendem Lebenskontext auch in der Gesellschaft Raum zu geben, ist der Schlüssel in eine friedlichere Welt und damit in eine lebensbejahende und lebenswerte Zukunft!“ Kristina Marita Rumpel, Autorin des Sachbuchs „Die Kraft des Weiblichen“, sieht in einer Neubelebung der weiblichen Urkraft die Chance, sowohl die Geschlechter als auch die Weltreligionen miteinander zu versöhnen, sodass alle Menschen ihr volles Potenzial entfalten und in Frieden mit sich und der Welt leben können.

FlowBirthing und die Kraft des Weiblichen

Ein klares Ja. Geburten waren und sind immer auch kulturell überformt. Wie wir gebären, sagt viel mehr über den geistigen Horizont einer Zeit aus als über Geburten, wie sie im Grunde sein könnten. Die Geburtshilfe in Deutschland ist von einem Sicherheits- und Risikodenken und einer Technikgläubigkeit geprägt. Das hat zur Folge, dass nur noch sieben Prozent der Kinder natürlich geboren werden. Wenn wir nicht wollen, dass natürliche Geburten aussterben und immer mehr Frauen und Kinder durch vermeidbare Eingriffe traumatisiert werden, braucht es ein Umdenken im Sinne einer neuen Geburtskultur. Dafür trete ich ein. Darüber hinaus wirft mein Standpunkt ganz grundsätzlich die Frage auf, wie viel Raum wir dem Natürlichen, dem Weiblichen, dem Mysterium des Lebens in einer hoch technisierten, rationalen Welt einräumen wollen.

Die Rückkehr der weiblichen Kraft

Ich habe mich gefragt: Wenn es nicht einmal unter der Geburt, einem durch und durch weiblichen Akt, selbstverständlich möglich ist, Zugang zur weiblichen Kraft zu finden und Weiblichkeit zu zelebrieren, ja wo denn dann? In der Geburtshilfe dominiert seit Jahrhunderten der männliche Blick auf Geburt, und ich habe festgestellt, dass dies für andere Bereiche ebenso gilt. Wir leben in einer männlich dominierten Welt, was wiederum zu einer eindimensionalen Sicht auf das Leben führt; und Einseitigkeit, egal in welche Richtung, ist immer schädlich. Ich möchte mit meinem zweiten Buch die selbst auferlegte Begrenzung sowie alte Fesseln aufbrechen und dazu beitragen, dass „männlich“ und „weiblich“ GLEICH gültig in der Welt wirken können. Dafür brauchen wir ein neues Verständnis von „weiblich“ und „männlich“ als Urkräfte des Lebens. Diese Sichtweise birgt eine enorme Bereicherung für das persönliche Leben und ist in meinen Augen auch der Schlüssel in eine lebensbejahende und friedliche Welt.

Aufwertung weiblicher Qualitäten als Voraussetzung für Versöhnung und Frieden in der Welt

Wir brauchen in meinen Augen dringend eine Stärkung der weiblichen Kraft in Frau und Mann, denn wir alle haben männliche wie weibliche Seelenanteile in uns. Damit ginge eine Aufwertung der weiblichen Qualitäten einher als jene Qualitäten, die in eine lebenswerte Zukunft führen. Mit der Zunahme an Kreativität, Empathie und Intuition in der Welt besteht die Hoffnung, dass es zu einem Ausgleich der Kräfte kommt und wir die Polaritäten überwinden. Denn die Aufspaltung von Frau und Mann, Mensch und Natur, arm und reich, gut und böse ist der Stachel in unserem Fleisch und der Schmerz der Menschheit, den es zu heilen gilt durch eine integrierte, das heißt ganzheitliche Herangehensweise an das Leben. Dann wird der Weg frei für Konzepte, die dem Leben dienen.

Mehr zum Buch und zur Autorin auf den Seiten des Mankau Verlages!

Nein zu Gewalt

Gewalt in der Geburtshilfe ist weltweit ein Problem. Auch in Deutschland wird zunehmend darüber gesprochen. In Berlin machte die ENCA, European Network of Childbirth Associations „Gewalt in der Geburtshilfe“ jetzt zum Thema. Es gilt das Schweigen zu brechen, damit sich etwas ändern kann. Peace on earth begins with birth!

Gewalt in der Geburtshilfe ist ein tabuisiertes Thema

Frauen aus 20 europäischen Ländern kamen am 9. April 2016 in Berlin zusammen, um sich über die aktuelle Situation, die Gründe und Folgen gewalttätiger Handlungen gegen Frauen unter der Geburt auszutauschen. Anliegen der Tagung war es, das Thema Gewalt in der Geburtshilfe aus der Tabuzone zu holen, eine Öffentlichkeit für die Betroffenen zu schaffen und die Vernetzung der europäischen Aktiven

Was wird unter Gewalt in der Geburtshilfe verstanden?

Gewalterfahrungen unter der Geburt reichen von aufgezwungenen oder ohne ausdrückliche Zustimmung vorgenommenen medizinischen Eingriffen über unnötige Untersuchungen, Demütigungen und Beleidigungen der Gebärenden. Diese Zustände überhaupt als Gewalt zu benennen und Änderungen zu bewirken, ist ein erster Schritt in Richtung mehr Bewusstheit und Prävention.

Forderungen angesichts Gewalt in der Geburtshilfe

  1. Respekt gegenüber der natürlichen Gebärfähigkeit der Frau sowie der Rechte von Mutter und Kind
  2. Eins-zu-eins-Betreuung während der Geburt
  3. Implementierung des Rechtes auf die freie Wahl des Geburtsortes
  4. Kostenübernahme der psychosozialen und therapeutischen Betreuung der Opfer durch die Krankenkassen
  5. Angebote, die auf die Bedürfnisse von Migrantinnen zugeschnitten sind
Die Dokumentation der Tagung erscheint Anfang Juli 2016 und kann bei der GfG unter www.gfg-bv.de angefordert werden.

Die wichtige Rolle von Elterninitiativen

Gruppenfoto einer Elterninitiative

Unsere Gesellschaft ist existenziell darauf angewiesen, dass Kinder gezeugt, geboren und im Aufwachsen begleitet werden. Eltern übernehmen für die nächste Generation eine gesellschaftlich herausragende Aufgabe, die Anerkennung und Schutz braucht und verdient – es geht hierbei um die Rechte von Eltern und die Rechte von Kindern. Gerade auch den werdenden Müttern muss Aufmerksamkeit und Fürsorge gelten, denn lange vor der Geburt ist das Kind abhängig von den Bedingungen, unter denen die Mutter lebt.

Fehlentwicklungen in der Geburtshilfe

Die Elterninitiative, deren Mitglied FlowBirthing seit dem 12. März 2016 ist, stellt mit großer Sorge fest, dass die Rahmenbedingungen in der Geburtshilfe und Geburtsmedizin zu erheblichen Fehlentwicklungen der Geburtskultur insgesamt geführt haben. Diese Entwicklungen gefährden die seelische und körperliche Gesundheit von hundert tausenden Müttern, Kindern und Familien. Mit den Sorgen werdender Eltern um ihr Ungeborenes werden Milliardenbeträge erwirtschaftet. Die Grenzen zwischen sinnvoller Vorsorge und Gesundheitsmarkt sind für Eltern meist nicht durchschaubar.

Forderungen der Elterninitiativen

Eltern wollen die anhaltende Verschlechterung der psychosozialen und gesundheitlichen Rahmenbedingungen bei der Erwartung und Geburt eines Kindes nicht länger hinnehmen. Vor diesem Hintergrund fordern sie eine grundlegende Reform der geburtshilflichen Rahmenbedingungen.

  • Eltern fordern Transparenz zur Unterscheidung zwischen einer Vorsorge, die an den individuellen Bedürfnissen orientiert ist und den Interessen eines wirtschafts-orientierten Gesundheitsmarktes. Außerdem fordern sie ein Informationsgebot über die gleichberechtigte Vorsorgemöglichkeit durch Hebammen.
  • Sie fordern, dass auch im klinischen Umfeld der Individualität und Selbstbestimmung der Gebärenden Rechnung getragen wird. Eltern treten für die Förderung der physiologischen Geburt und konkrete Maßnahmen zur Senkung der Kaiserschnittrate ein. Die Abschaffung invasiver Routinemaßnahmen und die konsequente Eins-zu-Eins-Betreuung jeder Gebärenden durch eine Hebamme sind zentrale Forderungen zur Verbesserung der klinischen Geburtshilfe.
  • Eltern fordern die stärkende Begleitung durch freiberuflich und geburtshilflich tätige Hebammen in allen Phasen des Elternwerdens.
  • Sie fordern, dass neben der Hausgeburtshilfe die von Hebammen aufgebauten und am Bedarf von Eltern orientierten Strukturen zur Geburtshilfe, wie Geburtshäuser, Hebammenkreißsäle, Hebammenpraxen ausgebaut, finanziell abgesichert und angemessen vergütet werden.
  • Eltern fordern die gesellschaftliche Anerkennung einer notwendigen Unterstützung von Frauen/ Paaren in der Familiengründungsphase. Eine psychosoziale Unterstützung durch familiennahe Dienstleistungen vor, während und nach der Geburt ist unerlässlich. Die Notwendigkeit besteht, weil insbesondere in Städten nur noch selten eine familiäre Flankierung möglich ist und bei der Begleitung und Versorgung junger Mütter eine Lücke klafft.
  • Eltern sehen eine staatliche Mitverantwortung zur Regelung wohnortnaher Versorgung.

Wenn auch Sie sich engagieren und eine grundlegende Veränderung erreichen möchten, dann werden Sie Mitglied in der Elterninitiative. Anmeldung per Mail möglich. Oder Sie arbeiten mit Schwangeren und möchten Teil des FlowBirthing-Netzwerkes werden, das Gesicht zeigt für einen neue Geburtskultur, dann tragen Sie sich kostenlos und online ein!

Personalengpässe bei deutschen Hebammen

Hebammen schlagen Alarm. Aufgrund von Personalengpässen warnt der Deutsche Hebammenverband vor Auswirkungen. In Deutschen Kreißsälen sei die Qualität bei Betreuung von Geburten aufgrund der Arbeitsbedingungen gefährdet. Lesen Sie mehr:

Hebammen haben zwei oder mehr Gebärende gleichzeitig zu betreuen

In Deutschlands Kreißsälen betreuen 95 Prozent der Hebammen bereits häufig zwei und oft sogar noch mehr Frauen gleichzeitig während der Geburt. Fast zwei Drittel der Hebammen müssen aufgrund von Personalengpässen regelmäßig Vertretungen übernehmen. Sie können Pausen nicht einhalten und leisten immer mehr Überstunden. Die Situation der Geburtshilfe in Kliniken ist in Deutschland seit Jahren angespannt. Freie Stellen werden nicht mehr besetzt und monatlich schließen Kreißsäle ganz oder teilweise ihre Türen. Der Deutsche Hebammenverband (DHV) hat eine repräsentative Umfrage von rund 1.700 Hebammen in Kliniken beauftragt, die eine deutliche Verschlechterung von Arbeitsbedingungen in den vergangenen drei Jahren aufzeigt. Der DHV befürchtet, dass sich die Qualität in der Geburtshilfe in den Kliniken verschlechtert, sollte hier nicht bald Abhilfe beispielsweise durch mehr Personal geschaffen werden.

Qualität der Geburtshilfe leidet an Personalknappheit

„Qualität und Sicherheit in der Geburtshilfe ist nur mit ausreichend Personal möglich. Unsere Umfrage zeigt jedoch: Hebammen arbeiten in den Kreißsälen aktuell unter immer schlechteren Arbeitsbedingungen, vor allem weil Personal fehlt“, stellt Martina Klenk, Präsidentin des Deutschen Hebammenverbands e. V. fest. „Eine gute Betreuung von Schwangeren ist nur noch durch den hohen persönlichen Einsatz jeder einzelnen Hebamme möglich. Das wird zukünftig nicht mehr tragen. Hebammen arbeiten zunehmend Teilzeit und überlegen, ihren Arbeitsplatz zu wechseln“, ergänzt Susanne Steppat, Präsidiumsmitglied im DHV und selbst jahrelang als Hebamme in Kliniken tätig.

Forderungen des Dt. Hebammenverbandes

Der Deutsche Hebammenverband fordert, dass künftig mehr Hebammen in den Kreißsälen eingesetzt werden. Finanziert werden könnte dies beispielsweise aus Mitteln des Krankenhausstrukturgesetzes. Hebammen müssen dort außerdem die Tätigkeit ausführen können, für die sie ausgebildet wurden – Geburten sicher begleiten – und nicht zunehmend Nebentätigkeiten. Für ihre verantwortungsvolle Arbeit sollten sie zudem angemessen verdienen.

Weitere Informationen auch zur durchgeführten Befragung von Hebammen zu den Arbeitsbedingungen unter www.hebammenverband.de.

Hilfe für Geburtshelferinnen

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Ein Ende des Hebammenstreits mit der Gesetzlichen Krankenversicherung ist nicht in Sicht. Es beginnt ein Wettlauf mit der Zeit. Die freien Hebammen sind alleine gelassen gegenüber einer übermächtigen Versicherungsindustrie. Bedroht ist die außerklinische Geburtshilfe, das Recht von Frauen auf die freie Wahl des Geburtsortes.

Natürliche Geburten als elementare Lebenserfahrung sterben aus

Die natürliche Geburt ist in Gefahr aus zu sterben, sie ist ein Hochrisiko geworden und spiegelt die Feindseligkeit dem Leben gegenüber. Dabei ist Geburt ein natürlicher Lebensprozess, den die übergroße Mehrheit der Frauen ohne jegliche medizinische Intervention erleben könnte. Aber wir lassen Frauen nicht, denn die Angst wird ausgenutzt, um ein krankes System am Leben zu erhalten. Es ist bekannt, dass unnötige Eingriffe zu weiteren Komplikationen führen.

Geburten mit Hebammen sicherstellen ist eine Staatsaufgabe

Die Politik ist gefragt. Allen voran fehlt hier der Einsatz und Gestaltungswille des Familienministeriums für die Rechte von Frauen und Familien in unserem Land. Im Bundesland der Frauenministerin sind Hebammen jetzt schon Mangelware. Es steht die Frage im Raum, ob Geburtshilfe überhaupt nach wirtschaftlichen Kriterien gemessen werden sollte oder ob uns als Gesellschaft das Wohl von Gebärenden und Neugeborenen nicht so viel Wert sein sollte, dass die steigenden Prämien die Allgemeinheit trägt und Hebammen endlich ordentlich vergütet werden.

Leserbrief von Kristina Rumpel, Autorin und Mitinitiatorin von FlowBirthing

Veröffentlicht in der Süddeutschen Zeitung am 27.1.2016 als Reaktion auf den Artikel „Unter Vorbehalt – Hebammen erhalten Geld für teure Versicherungen – vorerst“ vom 16./17. Januar 2016.

Roses Revolution Day

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Am 25. November sind weltweit Frauen aufgerufen, sich am Roses Revolution Day zu beteiligen. Frauen, die bei der Geburt körperliche oder seelische Gewalt erfahren haben, legen am Geburtsort ihres Kindes eine rosafarbige Rose nieder. Mit ihren persönlichen Erlebnissen prangern sie die Geburtshilfe in Deutschland an. Dabei handelt es sich um keine Einzelschicksale, die Zahl der traumatisierten Frauen bei der Geburt steigt. Immer mehr Frauen haben den Mut, das Schweigen zu brechen und auf die Missstände aufmerksam zu machen. Sie setzen ein Zeichen für eine neue, menschliche Geburtskultur.

Pathologisierung von Geburten und Traumatisierung nimmt zu

Seit der Verschiebung der Geburten in die Krankenhäuser in den 1960er Jahren dominiert die medizinisch-technische Sicht auf Geburt. Mit einem Akt des Staunens, der Verehrung des weiblichen Schöpfungskraft, dem Wunder des Lebens, all dem was Geburt im Innersten bedeutet und so einzigartig macht, lassen sich kaum noch Geburten beschreiben. Die weibliche Urkraft hat keinen Platz im streng kontrollierten modernen Klinikalltag. Statt Frauen in ihrer Kraft und Zutrauen zu stärken, werden Geburten zunehmend pathologisiert und Frauen vermehrt als psychisch und körperlich außer Stand erklärt, normal zu gebären. Jeder unnötige Einschnitt in den Körper und den Geburtsverlauf ist ein Einschnitt in ihre Weiblichkeit. Traumatische Erfahrungen von Frauen in Kauf zu nehmen wider besseres Wissens, ihnen dann noch die Schuld zu geben bzw. sie damit allein zu lassen, das ist der Skandal unserer Zeit.

Geburtshilfe – eine Frage der Ökonomie?

Und warum? Überall herrscht Angst vor der Erfahrung, die wir Leben nennen. Mit der Angst der Frauen lässt sich außerdem hervorragend Geld verdienen, leider schwappt die Angst auch auf die Verantwortlichen über. Zudem wirken finanzielle Fehlanreize in den Kliniken gesetzt. Für einen Kaiserschnitt kann eine Klinik etwa doppelt so viel abrechnen wie für eine normale Geburt. Die normale Geburt ist zudem viel personal- und zeitintensiver und lässt sich nicht vorausplanen. Das führt dazu, dass geburtshilfliche Abteilungen für Kliniken kaum noch lohnen. Die Verlockung ist groß, Geburten künstlich zu beschleunigen, statt der Gebärenden Zeit zu lassen, ihren Rhythmus der Geburt zu finden und damit dem Geheimnis des Lebens und weiblichen Kraft auf die Spur zu kommen.

Hebammen leiden auch unter den Verhältnissen

Auch für die Minimalbedingungen einer natürlichen Geburt fehlt häufig die Zeit, so dass sensible aufbauende Gespräche und der achtsame Umgang mit den Bedürfnissen der Frauen auf der Strecke bleiben. Immer häufiger berichten daher auch Hebammen von traumatisierenden Erlebnissen. Gerade Hebammen in Ausbildung leiden darunter. Sie fühlen sich angesichts der Gewalt gegen Frauen oftmals als Mittäterinnen, müssen häufig über die eigenen Grenzen gehen und sind so genauso Opfer des Systems. Hebammen, einst Hüterinnen weiblichen Weisheitswissen, ihnen sind heutzutage die Hände gebunden im täglichen Konflikt mit Ärzten und Systemzwängen. Freie Hebammen, die eine menschliche Betreuung sicherstellen könnten, sind angesichts einer übermächtigen Versicherungsindustrie, die sie öffentlich als überflüssig bezeichnet hat, an den Rand der Existenz gedrängt.

Einschnitt in weibliche Erfahrungswelt und Bevormundung

In Deutschland zählen einzelne Frauenschicksale scheinbar nicht. Geburten sind zu einem Geschäft geworden und haben mit der Würde von Frauen und Geburt als heiligem Akt längst nichts mehr zu tun. Der Roses Revolution Day ist ein starkes Signal, dass sich Frauen diese Bevormundung und Einengung der weiblichen Erfahrungswelt nicht mehr gefallen lassen. Frauen beenden die Zeit des Schweigens und der Selbstverurteilung und erkennen im Austausch mit anderen, dass es nicht ihr Versagen war, sondern ein System wirkt, dass solch bittere Erfahrungen geradezu provoziert.

Am Roses Revolution Day verlassen Frauen die Opferrolle

Wenn schon der Beginn des Lebens sich vieler Orten so frauen- ja lebensverachtend zeigt, wen wundert es eigentlich noch, dass sich derzeit Leben allerorten in seiner entstellten, d.h. lebensverachtenden Form darstellt? Die Geburt stellt die Weichen für ein ganzes Leben und es ist nicht egal, wie Frauen sich dabei fühlen und behandelt werden. Am Roses Revolution Tag haben es Frauen in der Hand, sich gegen die Unmenschlichkeit aufzulehnen, ihre Wunden zu heilen und ein Zeichen zu setzen für ein würdevolles, gewaltfreies Leben – von Beginn an!

Kasseler Erklärung zur Reform der Geburtskultur

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Die Umsetzung der Menschenrechte im Umfeld der Geburt wird in Deutschland immer weiter erschwert und vielerorts kann nicht einmal mehr eine adäquate Gesundheitsversorgung werdender und junger Mütter gewährleistet werden. In Kassel versammelten sich VertreterInnen von zahlreichen Elterninitiativen und Vereinen und engagierte Einzelpersonen aus der gesamten Bundesrepublik zu einem zweiten Treffen des Netzwerks der Elterninitiativen für Geburtskultur. In der Kasseler Erklärung zur Reform der Geburtskultur vom 10. Oktober 2015 verlangen Eltern ein Mandat zur Mitbestimmung und fordern einen Perspektivwechsel hin zu Menschlichkeit in der Geburtshilfe.

Die Erklärung wurde gemeinsam von diversen Organisationen, u.a. von GreenBirth e.V. verfasst und unterzeichnet. FlowBirthing wird die Erklärung in der zweiten Runde im März 2016 unterzeichnen, um den Aufbruch in eine neue Geburtskultur weiter voranzutreiben.

Aus medizinischer Sicht gibt es keine Notwendigkeit für die in Deutschland bestehenden hohen Frühgeburten-, Interventions- und Kaiserschnittraten. Eine angstfreie Schwangerschaft, eine natürliche Geburt mit einer zurückhaltenden Geburtshilfe und eine intensive Betreuung im Wochenbett sind immer seltener die Regel.
Eltern, als weitaus größte Interessensgruppe in diesem Konflikt und auch als Treuhänder der Rechte ihrer Kinder, erheben nun ihre Stimme und fordern ihre Rechte ein!
Bitte die Erklärung lesen und weiterverbreiten:
Kasseler Erklärung

Ein Bericht anlässlich des Roses Revolution Day

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Zum Aktionstag Roses Revolution, der im November vor der Tür steht, ein persönlicher Bericht von Simone Vogel.

„Zum dritten Mal ruft die Organisation „Human Rights in Childbirth“ mit ihrem Aktionstag Roses Revolution am 25. November gegen Gewalt in der Geburtshilfe dazu auf, durch das Niederlegen einer Rose vor dem Kreissaal darauf aufmerksam zu machen, dass Gewalt in der Geburtshilfe existiert und Frauen sie nicht länger dulden. Frauen sind eingeladen, an der Klinik an der sie Gewalt erfahren haben, eine Rose niederzulegen.
Gewalt hat viele Facetten. Sie kommt nicht immer laut brüllend, mit militärischem Befehlston oder klaren tätigen Übergriffen daher. Nein, es sind auch die kleinen Grenzüberschreitungen, die ein Geburtserlebnis zu einer demütigenden und traumatisierenden Erfahrung werden lassen. Das Ausnutzen eines Machtgefälles, um Frauen gefügig zu machen und in die Abläufe und Gepflogenheiten der Klinik zu pressen.

Die Geburt meines ersten Kindes war für mich ein einschneidendes Erlebnis, das meinem Leben eine neue Richtung gegeben hat. Und das nicht nur wegen diesem Bündel, das danach so zart in meinen Armen lag. Sondern auch wegen der zwölf Stunden Klinik und allem, was ich dort gesehen, gehört und vor allem gefühlt habe. Wenn ich meine Geburtsgeschichte erzähle, dann fragen sich manche Menschen lange, wo denn darin Gewalt vorkommt. Alles Definitionssache.

Zum Glück gibt es Fachpersonal in Kliniken, das es tatsächlich besser weiß und uns Frauen (und vor allem unsere Kinder) vor Schlimmerem bewahrt. Bis zu dieser Stelle an meiner Geschichte hatte ich schon verschiedene Gefühlsqualitäten in der Verarbeitung hinter mich gebracht. „Funktionieren und Verdrängen“, das ist die erste Phase der glücklichen Mama, die bis zum Rande mit Oxytozin angereichert, total entzückt ist von ihrem Baby. Dann kommt „Zaudern und Zweifeln“, das war die Zeit, in der mir langsam bewusst wurde, dass es nicht sein kann, dass Geburt so geht. Doch noch besaß ich den Anstand dankbar zu sein für mein gesundes Baby und dachte darüber nach, ob ein Dammschnitt nicht vielleicht tatsächlich eine sinnvolle Erfindung war. „Aufwachen und Anschauen“, das war die Zeit des puren Aktivismus: Geburtsbericht anfordern und auswendig lernen, medizinisches Gutachten beantragen, Rechtsgrundlage rund um den Dammschnitt prüfen, mit Leidensgenossinnen austauschen, Anzeige wegen Körperverletzung hin- und her denken, endlich eine längst überfällige körperorientierte Psychotherapie in Anspruch nehmen und das Warum verstehen.

Irgendwann wurde es ruhiger in mir, nennen wir diese Phase „Friede und Versöhnung“. Ich bin traurig über meine erste Geburt, aber sie gehört zu meinem Leben. Ich weiß, dass Frauen noch viel Dramatischeres, Entwürdigenderes und Demütigenderes erlebt haben, dass der Schrecken noch tiefer gehen kann. Doch das nimmt mir nicht das Recht von meiner Geschichte zu erzählen. Und ich wünsche mir, dass alle Frauen, die Derartiges erlebt haben, eine Möglichkeit finden sich zu öffnen, auszutauschen und ein Stück Heilung zu erleben. Ich bin davon überzeugt, dass die Geburtskultur sich ändern wird, wenn wir uns nicht mehr klein machen, nicht schweigen, uns nicht mit gesunden Babys zufrieden geben.

Meine Rose – ein weiterer Schritt zur Heilung
Für mich war das Ablegen der Rose ein befreiender Schritt, der mir auch geholfen hat nach vorne zu schauen. Meine Rose war ein Symbol des Mutes und der Klarheit. Wie ein unliebsamer Stachel, möchte ich beharrlich darauf hinarbeiten, dass sich die Rahmenbedingungen für Geburten in Deutschland verändern und als Frau mein Recht auf körperliche Unversehrtheit auch unter der Geburt einfordern. Meine Rose war ein Symbol des Friedens und der Versöhnung. Für mich war die Zeit des Wütens und Anklagens vorüber, es ist Keinem geholfen, wenn es zur Normalität wird, dass wir schon im Wochenbett über die ersten Schadensersatzklagen nachdenken. Und, meine Rose war ein Symbol meiner Weiblichkeit. Mein Körper gehört mir und er ist wunderbar gemacht.“
Bericht von Simone Vogel (gelesen am 6. November 2015 auf www.happybirthday-deutschland.de)