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Schlagwort: Geburtserfahrung

Für eine würdevolle Geburtserfahrung

Das ist doch mal eine gute Nachricht, dass in Deutschland wieder mehr Kinder geboren werden, oder? Ja und nein. Es deckt sich mit meiner Erfahrung im Freundeskreis, dass sich immer mehr junge Frauen ein zweites oder drittes Kind wünschen. Aber es bleibt häufig bei diesem Wunsch und beim ersten Kind. Warum? Nun, weil Frauen die Lust auf ein zweites Kind häufig nach einer verheerenden Geburtserfahrung abhanden kommt.

Traumatische Geburtserfahrungen stehen weiteren Geburten im Weg

Immer mehr Frauen beklagen Gewalt in der Geburtshilfe oder traumatische Erfahrungen unter der Geburt, die immer häufiger in Kaiserschnitten enden. Dabei wären wohl rund 20 Prozent der Kaiserschnitte zu vermeiden und nicht wenige Komplikationen während der Geburt sind auf äußere Störfaktoren oder eine unzureichende Begleitung und Vorbereitung in der Schwangerschaft zurückzuführen.

Positive Geburtserfahrungen werden erschwert

Nur noch sieben Prozent aller Geburten verlaufen ohne Eingriffe von außen, die am weiblichen Selbstbewusstsein nagen. Dabei hat jede Geburt das Potenzial, eine herausragende, wundervolle Erfahrung für die Gebärende zu sein, eine, aus der sie als Frau und Mutter gestärkt hervorgeht. Wann setzt sich die Erkenntnis durch, dass die Art und Weise, wie eine Frau Schwangerschaft und Geburt erlebt, direkte Auswirkung auf ihr weiteres Leben hat und vor allem auch das Leben ihres Kindes entscheidend prägt?

Fehlgeleitetes System auf dem Rücken von Gebärenden und Kindern

Derzeit wird ein überholtes, fehlgeleitetes System, bei dem Geburtsstationen schließen und Hebammen ins berufliche Aus gedrängt werden, auf dem Rücken von Kindern und Müttern ausgetragen. Wer sich mehr Kinder in Deutschland wünscht, der sollte sich zu allererst für einen natürlichen und würdevollen Start ins Leben einsetzen.

Text: Leserbrief in SZ von Kristina M. Rumpel, Autorin von FlowBirthing und BirthCoach

Der Mythos „Wunschkaiserschnitt“

Mit einem Missverständnis soll hier und heute aufgeräumt werden. Wenn es um eine zu hohe Kaiserschnittrate in Deutschland geht, dann sind damit ausdrücklich nicht die Wunschkaiserschnitte gemeint. Ja, es gibt Frauen, die sich einen Wunschkaiserschnitt-Termin geben lassen und dafür werden sie ihre Gründe haben, die andere nicht zu bewerten haben. Unser Problem liegt ganz wo anders. Ein krankes System wird auf dem Rücken von Frauen und Kinder am Leben gehalten. Damit muss jetzt Schluss sein.

Die Zahl der Wunschkaiserschnitte liegt konstant bei 2 Prozent

Die Zahl der Wunschkaiserschnitte liegt seit Jahren konstant bei 2 Prozent. Also ebenso hoch wie die Zahl der Hausgeburten in Deutschland. Der Unterschied: Wunschkaiserschnitte zahlen die Krankenkassen, obwohl teurer, ohne Einschränkung im Gegensatz zu Hausgeburten.

Zu hohe Zahl der Kaiserschnitte geht auf unnötige Kaiserschnitte zurück

Die Zahl der zu hohen Kaiserschnitte bezieht sich allein auf medizinisch unnötige Kaiserschnitte, die von den Frauen nicht gewollt wurden und notwendig wurden aufgrund fehlender Hebammen in den Kliniken, schlechter Vergütung, mangelndem Wissen um natürliche Geburten bei Ärzten, Angst vor Haftungsansprüchen, Kompetenzgerangel des Klinikpersonals, finanzielle Fehlanreize, psychische Gewalt unter der Geburt und fehlende Aufklärung der Schwangeren über die Wirkzusammenhänge und Störfaktoren einer Geburt usw.

Unnötige Kaiserschnitte erhöhen Sterberisiko von Gebärenden

Auf dem Rücken von Frauen und Kinder wird derzeit ein krankes System am Leben erhalten, trotz der Übereinstimmung der Fachleute, dass es in der Geburtshilfe dringend ein Umdenken braucht. Denn: bei einem unnötigen Kaiserschnitt, der hätte vermieden werden können bzw. (un)bewusst provoziert wurde, hat die Gebärende ein 3-Mal häufigeres Risiko zu sterben. Die Gefahr der Ansteckung mit Krankenhauskeimen nach einer Bauch-OP nicht einbezogen.

Kaiserschnitte beeinträchtigen Mutter und Kind oft ein Leben lang

Die Beeinträchtigung von Mutter und Kind nach einem Kaiserschnitt hält oft ein Leben lang an. Viele Mütter leiden Jahre lang unter den traumatischen Ereignissen rund um einen Kaiserschnitt und werden häufiger von Depressionen heimgesucht. Kaiserschnitte können neben der körperlichen Narbe auch tiefe Wunden auf den Seelen der Frauen hinterlassen. Ein weiterer Kinderwunsch fällt den schlechten Erinnerungen an eine traumatische Geburt in immer mehr Fällen zum Opfer bzw. ist auch aus medizinischer Sicht in manchen Fällen davon abzuraten.

Einschnitt in die Weiblichkeit und Würde von Frauen

Frauen werden in Deutschland beschnitten und zwar dort wo der Einschnitt direkt in ihre Würde und Weiblichkeit geht und besonders schmerzt: in das Selbstbestimmungsrecht wie sie ihr Kind gebären. Es ist an der Zeit, die Dinge beim Namen zu nennen und geschlossen für eine neue Geburtskultur und die Wahrung der Rechte der Frauen am Beginn des Lebens aufzubegehren.

Schluss mit der Bevormundung von Frauen

Schluss mit der Bevormunden von Frauen. Frauen ermächtigt euch selbst und holt euch euer Recht auf eine selbstbestimmte, kraftvolle, einmalige, wundervolle Geburtserfahrung zurück. Wie ihr Euch in der Schwangerschaft und Geburt fühlt, beeinflusst die Entwicklung eures Kindes. Es ist ganz und gar nicht egal wie Frauen Geburt erleben, es stärkt oder schwächt sie als Frau und Mutter und stellt die Weichen für das Leben ihres Kindes.

Start ins Leben weit mehr als persönliche Geburtserfahrung

Die Erfahrung von starken Schmerzen, Ohnmacht, Gewalt, Hilflosigkeit, Angst unter der Geburt geben Angst, Leid und Erfahrungen über Schmerz direkt an die nächste Generation weiter. Dabei hat der Körper ein Setting von Frieden, Liebe und Lust für die Geburt vorgesehen. Wie anders wäre unsere Welt, wenn wir Frauen uns das Recht auf eine natürliche, kraftvolle, positive Geburtserfahrung zurückholen. Nehmt die Botschaft in eure Herzen und handelt!!!

Ohne Hebammen keine Zukunft!

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In Deutschland sind die Hebammen bedroht und mit ihnen die Zukunft unseres Landes. Ohne Not und ohne Herz und Verstand wird der älteste und ehrenwerteste Beruf der Welt in Deutschland beinahe lautlos zu Grabe getragen. Eine Vorgang der zum dritten Mal in der Menschheitsgeschichte das Weisheitswissen von Frauen systematisch auslöschen könnte. Ein Aufschrei und politischer Aufruhr müsste durch das Land gehen, doch Politik also auch die meisten Medien schauen weg. Sie schweigen zu einem Thema, das wie kein anderes direkte Auswirkung auf die Zukunftsfähigkeit unseres Landes hat und jeden persönlich betrifft. Jeder von uns wurde geboren, ist Vater- Mutter, Oma-Opa, Tante oder Onkel. Ja hat denn wirklich noch keiner begriffen, was dabei alles auf dem Spiel steht? Oder ist der Machtverlust von Hebammen und Frauen sogar gewollt?

Die Zukunftsfähigkeit eines Landes hängt davon ab wie Frauen Geburt erleben. Ina May Gaskin, Hebammen und Trägerin des Alternativen Nobelpreises 2011 sagt in ihrer Dankesrede, die Zukunftsfähigkeit eines Landes sei daran zu messen, inwieweit ein Land das Recht einer Frau auf eine frauenzentrierte Betreuung bei der Geburt respektiere. Demzufolge steuert Deutschland auf eine finstere Zukunft zu, denn von einer Begleitung durch Schwangerschaft und Geburt bei der das Wohl von Frauen im Mittelpunkt steht, sind wir weit entfernt. Es ist in keinster Weise egal, wie Kinder geboren werden und Frauen sich dabei fühlen. Das Erleben der Frau, der Verlauf der Geburt und die Geburtserfahrungen des Kindes gehen Hand in Hand. Geburt bzw. die Geburtserfahrung stellen die Weichen für ein ganzes Leben. Warum setzen wir dann nicht alles daran, dass diese Erfahrungen positiv ausfallen können? Ohne Hebammen schwinden die Chancen, dies zu erreichen.

Beim Thema Geburt geht es nicht um eine moralische Frage, natürlich Geburt ja oder nein, sondern darum, inwieweit Frauen Geburten so gestalten können, dass es für sie und das Kind zu einer kraftvollen und lebensbejahenden Erfahrung werden kann. Es geht um das Bewahren, was Jahrtausende lang als selbstverständlich galt, nämlich Frauen wieder als Schöpferin neuen Lebens zu respektieren. Der erste Schritt dorthin: bei der Geburt auf die Bedürfnisse und Gefühle der Frauen zu hören, ihnen mit Freundlichkeit und Sanftmut zu begegnen und dafür zu sorgen, dass sie in entspannter und behüteter Umgebung ihr Kind auf die Welt bringen können. Die Kräfte des weiblichen Körpers entfalten sich von alleine, wenn Frauen bei der Geburt in Ruhe gelassen werden und sie Wege kennen, wie sie sich in sich und den Geburtsprozess versenken können. Dies ist der goldenen Weg auf dem gesunde Frauen mit einem sich gesund entwickelnden Kind im Bauch ohne Komplikationen gebären und Frauen wie Kinder dabei ein gesundes Urvertrauen entwickeln. Dies Sicherzustellen ist die Aufgabe der Hebammen und schließt das lebensrettende Eingreifen von Ärzten natürlich nicht aus, stellt aber die Bedürfnisse der gebärenden Frau und nicht der Krankenhausmaschinerie in den Mittelpunkt.

Für den sicheren Verlauf einer Geburt ist es dabei grundsätzlich unerheblich, wo die Geburt stattfindet. Es geht darum, dass die Frau sich am Geburtsort in Sicherheit fühlt und von starken Frauen, allen voran der Hebamme, bei ihrer Arbeit zu gebären und Leben zu schenken, unterstützt wird, so dass Geburt wieder zum Fest des Lebens werden kann. Es ist die zugewandte 1:1 Betreuung, die Frau und Kind sicher durch die Geburt bringt, nicht das medizinische Knowhow. Wer Hebammen zur Berufsaufgabe zwingt, der begeht somit Körperverletzung am Körper der gebärenden Frauen und gefährdet die Gesundheit des Neugeborenen. Als ob sich je eine Frau bewusst für einen Ort entscheiden würde, der für sie oder das Kind gefährlich sein könnte!

Der Macht- und Wissensverlust von schwangeren und gebärenden Frauen hat in den letzten Jahrzehnten durch die Technikmedizin enorm zugenommen, was wiederum zu Vertrauensverlust in den eigenen weiblichen Körper und Versagensgefühlen von Frauen führt. Dabei sind sich alle einig: die gebärenden Frau allein ist die Experten, wenn es darum geht, wie ihr Kind geboren werden kann. Dafür muss die Frau im Vorfeld in ihrem Selbst-Bewusstsein gestärkt werden, so dass sie Vertrauen in ihre Gebärfähigkeit entwickeln kann und dann bei der Geburt eine liebevolle Begleitung durch eine Hebamme ihrer Wahl findet. Nur wenige Frauen haben heute noch das Glück, mit Empathie, mit Herz und Verstand auf die Geburt vorbereitet und begleitet zu werden.

Diese Entwicklung hat allmählich das Wissen von Hebammen entwertet. In vielen Fällen wurden die Hebammen zu Vorarbeiterinnen der Ärzte und Erfüllungsgehilfen deklassiert. Dies fällt ihnen nun auf die Füße. Wenn die Mehrheit der Gesellschaft glaubt, dass Kinder im Krankenhaus durch die Leistung der Ärzte sicherer auf die Welt kommen, dass das Eingreifen bei Geburten ein Segen ist und Komplikationen verhindert und ein Kaiserschnitt eine Routine-OP ist, ja dann muss man sich auch nicht wundern, wenn die Arbeit der Hebammen zwar von der Politik als schützenswert angesehen wird, aber keine entsprechenden Taten den Worten folgen.

Was den Hebammen derzeit widerfährt ist ein Skandal und hat durchaus Parallelen zu vergangenen Verfolgungen und Unterdrückungen von Frauen und Hebammen. Zum Geburtshelfer zweiter Klasse, also zum Wurm gemacht, trampelt nun auch noch eine übermächtige Versicherungsindustrie auf den Hebammen und damit auf über 40 Millionenen Frauen in Deutschland herum. Alle Proteste und Argument verpuffen bisher. Der Hebammenstreit ist eine Auseinandersetzung, die weit über den privaten Bereich von Geburt hinausgeht. Es geht darum, welche Zukunft wir anstreben und gehört daher in der Mitte der Gesellschaft diskutiert. Eine Welt in der das Weisheitswissen von Frauen und die kulturelle Wurzel der Menschheit einen Platz hat? Eine Qualität weiblicher Macht, die durch die Frauenquote nicht erreicht werden kann. Oder ein Land in dem das elementarste Rechte von Frauen, Kinder mit der Hilfe einer Hebamme zu gebären, mit Füßen getreten wird und die Bedürfnisse von Neugeborenen ausgeblendet werden, weil sich eine natürliche Geburt nicht standardisieren, manipulieren, in Zeitpläne pressen und effizienter machen lässt?

Als Signal für Hebammen und die Zukunftsfähigkeit von Deutschland hat FlowBirthing seinen Health Media Award für herausragende und nachhaltige Kommunikation im Bereich Frauengesundheit allen Hebammen in Deutschland gewidmet mit den Worten: „Kraftvolle Geburten mit starke Frauen und mächtigen Hebammen für eine gesunde Gesellschaft und eine lebenswerte Zukunft!“

Wacht auf und stellt euch klar auf die Seite von Hebammen, in dem ihr z.B. Petitionen unterzeichnet oder auch an euren Bundestagsabgeordneten wendet. Die Zeit drängt!