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Zeit nehmen für die Schwangerschaft

Es gab einmal eine Zeit, in der die Schwangerschaft als heilige Zeit angesehen wurde. Eine Zeit, in der die schwangere Frau besondere Aufmerksamkeit und Rücksichtnahme erfahren hat. Frauen wurden als Göttinnen verehrt, da in ihnen neues Leben heranwuchs. Noch heute umgibt eine Schwangere eine ganz besondere Ausstrahlung, doch unsere moderne Welt, lässt nicht mal mehr den Schwangeren Zeit, dieses Wunder zu bestaunen. So viel gilt es noch zu erledigen, bis das Baby da ist.

Funktionieren in der Schwangerschaft, als ob nichts sei

Aktionismus und übergehen der körperlichen und seelischen Veränderung in dieser besonderen Zeit einer Schwangerschaft ist kein Fortschritt. Im Gegenteil. Es ist die Achtsamkeit gegenüber den eigenen Bedürfnissen als auch die Achtsamkeit des Umfelds, die dazu beiträgt, sich über das Wesentliche klar zu werden.

Wesentliche Aufgabe in der Schwangerschaft: Weiblichkeit wertschätzen

Das Wesentliche in der Schwangerschaft ist es, die Gebärfähigkeit der Frau wertzuschätzen. Eine umfassende Würdigung und Bewunderung der erhabenen Fähigkeit, Leben in sich wachsen zu spüren und zu gebären, ist die beste Vorbereitung, damit Mutter und Kind sicher durch die Geburt kommen können.

Noch heute wird in indigenen Kulturen alles getan, damit eine schwangere Frau, den Weg zur Mutterschaft leicht gehen kann. Das oberste Gebot in der heiligen Zeit: Frauen in ihrem Selbstwert zu stärken und nicht zu ängstigen.

Schwangere Frauen unter Stress – auch durch Vorsorge

Und wie geht unsere Gesellschaft mit Schwangeren um? Schon im Mutterpass wird der Fokus auf mögliche abweichende Entwicklungen gelegt. Die ärztlichen Vorsorgeuntersuchungen sind kein Grund zur Vorfreude, sondern eher der Blick auf das halb-leere statt halb-volle Glas. Dabei weiß die moderne Medizin inzwischen, dass gerade der Nocebo-Effekt (Annahme, dass immer etwas schief gehen kann) in der Schwangerschaft zu ungünstigen Geburtsverläufen führen kann und dennoch regiert über allem die Angst.

Bewusst inneren und äußeren „heiligen Raum“ in Schwangerschaft setzen

Zurecht stellt sich Ina May Gaskin, weltberühmte Hebamme, die Frage, ob in einer technisierten Gesellschaft Wertschätzung der Schwangerschaft und Geburt als heilige Zeit überhaupt möglich ist. Und wenn wir dies wohl leider verneinen müssen, so ist es umso bedeutender, sich als werdende Mutter bewusst einen inneren und äußeren Rahmen zu schaffen, der Raum lässt, das Wunder des Lebens zu bestaunen und die heilige Zeit im Herzen anzunehmen. Das ist der urweibliche Weg zu einer kraftvollen und sicheren Geburt.

Gelassen durch die Schwangerschaft

Sabine Hochmuth

„Gesundheit ist weniger ein Zustand als eine Haltung, und sie gedeiht mit der Freude am Leben“, schrieb Thomas von Aquin. In diesem kurzen Satz des vor rund 700 Jahren aktiven philosophierende Dominikaners steckt viel Wahres. Doch wie komme ich als Schwangere in diesen gelassenen Zustand, wo es doch so unendlich viel zu lesen und zu hören gibt, was alles nicht gut laufen könnte?

Gelassen durch die Schwangerschaft, aber wie?

1. Ängste anschauen und verstehen lernen

Angst ist nicht prinzipiell schlecht und (gesunder) Respekt vor der Geburt sicher angebracht und sinnvoll. Kontraproduktiv wird es dann, wenn Sorge, Unruhe und Furcht Ihre Gedanken bestimmen, Sie gar lähmen und sich schwächend auf Ihr Selbstvertrauen auswirken. Und genau hier setzt die Philosophie des Flowbirthing an: Es geht um die Rückbesinnung auf das in jeder Frau vorhandene urweibliche Wissen und die natürliche Kraft, welche eine selbstbestimmte Schwangerschaft und Geburt möglich machen. Und wie finde ich diesen inneren Schatz? Nach meiner Erfahrung braucht es insbesondere bei uns europäischen Frauen zunächst etwas für den Kopf. Denn wenn ‚frau‘ die individuellen Ursachen und vielleicht sogar den Sinn hinter den Unsicherheiten und Befürchtungen erkennt, lassen sich diese leichter verstehen und somit auch überwinden. Auch eventuell tiefer sitzende Blockierungen oder familiär bedingte, unbewusste Denk- und Verhaltensmuster wollen gefunden, wahrgenommen und verstanden werden.

2. Achtsamkeitstraining zur Integration der Ängste

Im zweiten Schritt kann dann folgen, was heute meist unter dem Begriff Achtsamkeitstraining bekannt ist. Dabei geht es um Besinnung, einen bewussten Perspektivwechsel und die Lenkung der Aufmerksamkeit auf das, was ich erreichen möchte. Weg also von der Sorge hin zum Vertrauen – in meine eigene Kraft, meine Intuition, mein Bauchgefühl. Dazu braucht es eigentlich ’nur‘ eine Entscheidung. Sie kennen sicherlich die Aussage: „Wo Licht ist, ist auch Schatten“? Hintergrund ist das spirituelle Wissen um die Polarität der Welt, nämlich, dass ein Zustand nur gleichzeitig mit einem anderen existiert. Das bedeutet: Helligkeit erkenne ich dann, wenn ich weiß, was Dunkelheit ist. Und auf welchen der beiden ich meinen Fokus, meine Konzentration und meine Denken ausrichte, kann ich mir selbst aussuchen.

Wenn ich also gelassen, vertrauensvoll und lebensfroh in meine Geburt gehen möchte, bedarf es der Bewusstwerdung meiner ‚Verhinderer‘, dann ein inneres Aufräumen und schließlich meine Entscheidung dafür. Manchmal ist das jedoch leichter gesagt als getan und braucht zumindest am Anfang etwas Anleitung…

Sabine Hochmuth, Ethnologin, Pädagogin, Reiki-Meisterin, – Coach und -Lehrerin
www.reiki-und geburt.de
www.lust-zu-leben.de