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Die eigene Geburtserfahrung

Ob gerade schwanger oder nicht, das Thema Geburt betrifft uns alle in besonderer Weise. Wir alle haben eine Geburtserfahrung, die uns und unsere Einstellung zum Leben grundlegend prägt. Den meisten fällt es sehr schwer, sich von der individuellen Geburtserfahrung zu lösen und unvoreingenommen mit dem Thema zu beschäftigen. Warum ist das so? Geburtserfahrung schreibt sich in uns ein und ist im Unbewussten aktiv. Daher ist es ja auch so wichtig, wie Kinder geboren werden!

Bewusstwerdung über die eigene Geburt

Eine Auseinandersetzung mit dem Thema Geburt braucht in meiner Wahrnehmung immer auch einen Bewusstwerdungsprozess über die eigene Geburtserfahrung. Geburt unterliegt immer einer kulturellen Interpretation und das , was wir „natürlich“ nennen ist seit Jahrtausenden immer wieder umgeschrieben wurde. Die meisten haben eine belastende Geburtserfahrung hinter sich und der Kampf mit der eigenen Weiblichkeit hängt seit unzähligen Generationen im kollektiven Bewusstsein von Frauen. Eine Geburtserfahrung pflanzt sich immer in die nächste Generation fort. Leider zumeist negativ und geht ganz oft mit der Verletzung der weibliche Seite in uns – Frau wie Mann – einher.

Frei von Ideologie zu selbstbestimmten Geburten

Bei dem Thema „Natürliche Geburten“ geht es nicht um Ideologie, das spielt Menschen nur gegeneinander aus und führt in die Irre. Es geht um eine Selbstermächtigung von Frauen, Geburt wieder so erleben zu dürfen, wie sie sich Geburt aus ihrem Innersten erträumen. Denn obwohl wir im Zeitalter der Angst leben, in der Geburt zum Hochrisiko geworden ist, wünschen sich die meisten Frauen noch immer eine natürliche, sanfte Geburt. Jedoch sind Frauen derzeit mit einem System konfrontiert, dass ihnen diesen Wunsch massiv erschwert: wesentliche Kenntnisse sind schwer zugänglich, sie werden als Kranke behandelt und im Kompetenzgefälle entmündigt. Welche Frau ist sich schon im Klaren, dass sie die Expertin der Geburt ist? Dass nur sie allein weiß, wie ihr Kind sicher geboren werden kann?

Der weibliche Blick überwindet Grabenkämpfe in der Geburtshilfe

Wenn es uns bei der Frage nicht um Grabenkämpfe, sondern ernsthaft um die Frauen geht, dann sollten wir einen Schritt zurücktreten und uns fragen, worum es bei dem Thema „Natürliche Geburten“ eigentlich wirklich wirklich wirklich geht. Geburt ist eine Erfahrung, die nur Frauen machen können. Das ist eine schlichte wie gewaltige Aussage. Diese Erkenntnis auf sich wirken zu lassen, führt zu einem originär weiblichen Zugang zur Welt, der der männlich dominierten Welt wie wir sie derzeit erleben diametral gegenüber steht. Geburt ist eine tiefgreifende Verbindungsarbeit, die getragen ist von Vertrauen und Liebe. Es ist ein Transformationsprozess, bei dem eine neue Seele auf die Welt kommt und eine Frau zur Mutter wird.

Aufbruch in neue Geburtskultur

Die Richtung ist doch eindeutig: jede Frau darf selbst bestimmen, wie sie ihr Kind gebären möchte. Keine Frau würde das Leben ihres Kindes aus ideologischen Gründen aufs Spiel setzen. Was sie braucht für eine freie Entscheidung sind umfassende Informationen, Angebote und Rahmenbedingungen, die sie unterstützen, selbstbestimmt zu entscheiden. Mit jeder Geburt, die dem Diktat von außen – egal in welche Richtung – erlegen ist, entfernen wir uns mehr von der weiblichen Kraft, die wir als Ausgleich zur männlichen Kraft, die aus dem Ruder zu laufen scheint, so dringend benötigen.

Weiblichkeit selbstbewusst leben und kraftvoll gebären

Für mich geht es bei der Frage nach natürlichen Geburten darum, sich als Frau zur Weiblichkeit zu bekennen und nicht um Vorgaben, Ideale oder Werturteile. Es geht ganz grundsätzlich um die Frage, wie viel Raum wir dem Natürlichen, dem Weiblichen, dem Unkontrollierbaren, dem Mysterium in unserer Gesellschaft zugestehen. Das weibliche Weisheitswissen speist sich seit jeher aus der Gebärerfahrung, da sich hier Leben in seiner Essenz zeigt. Was wir derzeit erleben ist ein erneuter Versuch, den ursprünglichen weiblichen Zugangs zum Leben und aller daraus resultierenden Erkenntnis zu verschütten. Soll die Bevormundung in einer reinen Frauenfrage im 21. Jahrhundert wirklich weitergehen?

Wer sich in das Thema Neue Geburtskultur bzw. die weibliche Kraft vertiefen möchte, dem sei die Homepage der Autorin von FlowBirthing, Kristina Marita Rumpel, empfohlen.

Was ist eine Doula?

Eine Doula ist eine erfahrene Frau, die einer anderen Frau bei der Geburt beisteht. Doulas sind Frauen, die selbst schon geboren haben, als Geburtsbegleiterinnen ausgebildet sind und sich in den Dienst anderer Frauen stellen, um diese durch Schwangerschaft und Geburt zu begleiten. Es gibt Studien, die darauf hindeuten, dass der Beistand anderer Frauen die Geburt um mehrere Stunden verkürzen kann.

Segensreiche Arbeit der Doulas

In Deutschland ist die segensreiche Arbeit der Doulas noch nicht allen Frauen bekannt. In Österreich und der Schweiz hat sich die Berufsgruppe neben den Hebammen etabliert. Wer sich über die Arbeit der Doulas informieren möchte, findet viele Informationen auf der Internetseite „Wir Doulas in Deutschland“ unter www.doula-info.de. Dort heißt es:

Beistand durch erfahrene Frau bei der Geburt

Die Vorstellung, dass eine Frau nur eine Person bei der Geburt dabei haben kann und dass es sich dabei um den Vater des Kindes handeln muss, geht auf die Zeit Ende der 60er Jahre zurück, als Väter zum ersten Mal mit in den Kreißsaal durften und den Frauen gesagt wurde, dass auf keinen Fall noch jemand mitkommen könne, weil es viel zu eng sei. Das war für alleinstehende Frauen und alle, die eine Freundin oder die Mutter statt ihres Mannes mitbringen wollten, sehr schwierig.
Heutzutage wird in vielen Ländern, und auch in Deutschland, die Anwesenheit der Väter nicht mehr in Frage gestellt. Doch dadurch, dass ihre Anwesenheit zu einem Ritual wird und beinahe Pflicht ist, wird den Frauen das Recht vorenthalten, sich für eine andere Person zu entscheiden oder vielleicht für mehrere Personen, die unterschiedliche Fähigkeiten haben.

Emotionale Unterstützung der Gebärenden und des Partners

Es kommt also vor, dass ein Mann zwar bei der Geburt dabei sein möchte, er jedoch das Gefühl hat, nicht die gesamte Verantwortung für die emotionale Unterstützung der Frau übernehmen zu können. Dann ist es gut, wenn noch jemand dazukommt, eine Frau, die Geburtserfahrung hat.
Das ist eine „Doula“ (griechisch: die Frau, die dient – französisch: „monitrice“ die Frau, die beobachtet und aufmerksam ist).

Selbstbestimmte Geburt mit Hilfe einer Doula

Die moderne Geburtshilfe hat den Frauen zunehmend die Kompetenz über die Geburt abgesprochen. Dagegen setzten sich viele Frauen zur Wehr. Sie wollen sich die Entscheidungen, die ihr Leben und ihren Körper betreffen, nicht abnehmen lassen. Die unterschiedlichen Alternativen bei der Geburt ermöglicht den Frauen frei zu wählen und sich für die optimale Unterstützung zu entscheiden. Eine davon ist die Anwesenheit einer Doula.

Geburt ist Frauensache und ist getragen vom Verständnis für die Gebärende

In vielen Ländern wird auch heute noch die Frau von anderen Frauen bei der Geburt unterstützt, die ihre Aufgabe in einem nicht-medizinischen Kontext erfüllen. Alle sind Mütter und helfen durch ihre Erfahrungen. Wenn Frauen durch eine gemeinsame Aufgabe verbunden sind, wie bei der Geburt, dann hat diese Arbeit eine besondere Qualität. Es geht um Verständnis, das oft ohne Worte zwischen ihnen entsteht. Geburt ist Frauensache, weil Frauen bei der Geburt eine Atmosphäre schaffen, die der Gebärenden viel Kraft, Zuversicht und Selbstvertrauen vermitteln kann. Eine Doula bemüht sich darum, der Frau beizustehen, nicht über ihr zu stehen, sondern bei ihr zu sein. Es ist wichtig, was die Doula der Frau während der Geburt geben kann. 

Text von Sheila Kitzinger, Geburtsvorbereiterin

Was ist Microbirth?

Die Kaiserschnittrate ist explosionsartig angestiegen in den letzten 20 Jahren. Es handelt sich dabei um ein weltweites Problem. Denn es ist ein Problem, wenn eine Krankenhausmaschinerie, die für 10 Prozent der Frauen, die in echten Notlagen sind und medizinische Hilfe benötigen, die 90 Prozent der gesunden Frauen und Babys überrollt und einer natürlichen Geburt im Wege steht. Geburt ist keine Krankheit. Als Krankheit behandelt, schadet das nicht nur den Frauen und Kinder, sondern wohl auch der Menschheit, wie neueste Studien der Mikrobiologie zeigen.

Anstieg nicht übertragbaren Krankheiten durch hohe Kaiserschnittraten

Mikrobiologen gehen davon aus, dass der Anstieg von nicht übertragbaren Krankheiten wie etwa Asthma, Autoimmunerkrankungen, Diabetes Typ 1 und Fettleibigkeit auf den enormen Anstieg der Kaiserschnittraten zurückzuführen ist. Der Mensch besteht zu 90 Prozent aus Mikroben und nur zu 10 Prozent aus Körperzellen. Gute Bakterien und Mensch haben ein symbiotisches Verhältnis aufgebaut.

Fehlende Versorgung mit lebenswichtigen Bakterien

Der Eingriff in den Geburtsprozess mit Betäubungsmittel, Antibiotika und Kaiserschnitten, bei denen das Baby nicht mehr mit den lebenswichtigen Bakterien der Mutter durch den Geburtskanal oder mit fremden Bakterien in Berührung kommt, kann bisher ungeahnte Auswirkungen haben. Die Angst vor Kostenexplosion und Epidemien bringt hoffentlich bald ein Umdenken in den Köpfen der Verantwortlichen, wenn schon nicht zum Schutz von Frau und Kind.

Selbstbestimmungsrecht von Gebärenden sicherstellen

Die Unterstützung aus der Forschung ist erfreulich. Jedoch taucht ein Horrorszenario am Horizont auf: Frauen werden zur Vaginalgeburt gezwungen zum Schutz der Menschheit. Das wäre nicht weniger verrückt, als Frauen jetzt nicht natürlich gebären zu lassen, obwohl sie es sich wünschen bzw. könnten. Umso wichtiger ist es, dass Frauen sich über das Selbstbestimmungsrecht über ihren Körper bewusst werden und die Kraft finden, selbst zu entscheiden, wie sie gebären möchten.

Feines Zusammenspiel der natürlichen Prozesse achten

Dazu möchte FlowBirthing einen Beitrag leisten und allen schwangeren Frauen Mut machen, auf ihre innere Stimme und ihrem Körper zu vertrauen. Es geht darum, Wege aufzuzeigen, wie Geburten kraftvoll und für Mutter und Kind stärkend ablaufen können. Wie der Ausflug in die Mikrobiologie zeigt: alles ist fein aufeinander abgestimmt und eine Abweichung kann ungeahnte Folgen haben. Dies zu ignorieren, wäre verantwortungslos.

Kampagne „Normale Geburt“

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Die normale, natürliche Geburt geht verloren. Erschreckende Zahlen lassen aufhorchen, denn inzwischen finden in Deutschland nur noch 7% aller Geburten ohne medizinisch-technische Eingriffe statt! Dabei könnten der WHO zufolge 70-80% aller Geburten „normal“ verlaufen. Und die Gesellschaft/ Politik trabt hinterher: Die Versicherungsproblematik der Hebammen ist nicht gelöst.
Die Kampagne des Netzwerkes der Geburtshäuser e.V. „Normale Geburt“ soll wachrütteln für das Glück kommender Kinder, die in Geborgenheit das Licht der Welt erblicken sollen!
Das Netzwerk der Geburtshäuser e.V. und der Förderverein normale Geburt e.V. kämpfen mit dieser Kampagne für die Selbstverständlichkeit physiologisch normaler Geburten und die Stärkung der Kompetenzen von Frauen, selbstbestimmt und mit Hilfe von erfahrenen Hebammen zu gebären.
Wir haben immer mehr verlernt, der Weisheit des Geburtsprozesses zu vertrauen und die Geburt sich entwickeln zu lassen. Stattdessen greifen wir steuernd ein. Aber die normale Geburt muss im Rhythmus von Mutter und Kind stattfinden – mit der Zeit und dem Schutz, den beide brauchen und mit der liebevollen und fachkundigen Hebamme als persönlicher Begleiterin fest an der Seite. Eine Geburt kann sich nicht an die äußeren Bedingungen anpassen. Wenn wir das versuchen, geht die Steuerungskraft der einzigartigen Kommunikation zwischen Mutter und Kind verloren.
Mit der Kampagne sollen junge Frauen und Männer, heranwachsende Jungen und Mädchen, Schulen und so viele Menschen wie möglich erreichen und einen Bewusstseinswandel bewirken. Es muss deutlich werden, wie wichtig die physiologisch normale Geburt, d.h. die Geburt ohne unnötige medizinische oder technische Eingriffe ist: Sie ist von unschätzbarem Wert für die spätere körperliche wie seelische Entwicklung von Neugeborenen und für das Wohlbefinden und die Stärkung von Frauen und Familien.
Es muss ein Umdenken stattfinden – mit Hilfe aufklärender Informationen und einem AUFSCHREI, den wir laut über die Kampagne in die Welt rufen: ALLE sind hier angesprochen, besonders aber die heranwachsenden Jugendlichen, werdenden Mütter und Väter, aber auch die werdenden Großmütter und Großväter! DIESES THEMA GEHT ALLE AN!
 
Wer die Kampagne unterstützen möchte, findet weiterführende Infos unter www.normale-geburt.de.
 Bis zum 23 Juli läuft das Projekt „Crowdfunding“ zur Finanzierung und Realisierung einer bundesweiten Kampagne für normale Geburten.