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Lebenskraft kommt aus der Dunkelheit

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Im November zieht sich die Lebenskraft der Na­tur bei zunehmender Kälte ins Innerste zurück. Bei vielen Pflanzen vergeht alles bis auf den neuen Samen, der den neuen Kreislauf in sich birgt. In der Landwirtschaft bedeutet dieser Übergang das Ende der Sammel- und Erntezeit. Traditionell darf nach Einbruch des Sonnenunterganges am 31. Oktober auf Feldern, Wäldern und Wiesen nicht mehr geerntet werden. Alle Früchte, alles Ess- und Nutzbare geht jetzt in den Be­sitz der Naturgeister über.

In der Nacht vom 31. Oktober auf 1. November – beginnt zumindest gefühlsmäßig – der Winter, die kalte und dunkle Zeit. Auch wir ziehen uns spätestens ab November mehr zurück, beschäftigen uns mehr mit unserem „Innenleben“, mit Gefühlen und Gedanken, gönnen uns hoffentlich auch Ruhephasen in der dunklen Zeit des Jahres. Denn aus dieser Ruhe können jetzt neue Ideen und Projekte geschöpft werden.

Samhain – Ende des Sommers

Um diese Zeitqualität deutlich zu machen, wurde daher in vielen Kulturen ein zeremonieller bzw. feierlicher Rahmen geschaffen, der es erleichtern soll, in diese Phase einzutreten. Für dieses Fest haben sich in unserem Sprachgebrauch vor allem die Begriffe Halloween und Samhain (ausgesprochen etwa wie „Saun“ oder „Sa-u-in“) durchgesetzt.

Sam ist das irische Wort für „Sommer“, hain kommt von huin = „Ende“.
Der Sommer ist also mit der allerletzten Ernte endgültig vorbei. Nun beginnt die wirklich dunkle Jahreszeit.

Rückzug nach Innen

In matriarchalen Gesellschaften ist man sich dessen bewusst, dass aller Neuanfang aus dem Dunklen, aus der Ruhe kommt. Daher beginnt der Tag mit der Nacht, das neue Jahr in der Dunkelheit, so wie jedes Leben aus der Dunkelheit heraus entsteht: Pflanzen wachsen aus dem im Dunklen ruhenden Keim in der Erde, Menschen werden aus dem dunklen Schoß der Mutter geboren. Und auch neue Inspirationen und Ideen brauchen diese Ruhephasen im Leben, um entstehen und heranreifen zu können.

Gebieterin der dunklen Monate

In der keltischen Mythologie legt in der Samhain-Nacht die Sommer- und Fruchtbarkeitsgöttin Modron ihre Zauberrute unter einen Holunderbusch, wäscht sich in einem Becken und wird zur Cailleach. Diese ist dann die Gebieterin der dunklen Monate.
Im Februar, spätestens im März beendet Cailleach ihre Regentschaft und damit den Winter, indem sie die Schlange weckt, die einerseits das Symbol für Zerfall wie auch für den Erdgeist und die Naturkräfte des Wachstums und für Erneuerung steht.

Mythologie um Cailleach und Hollerbusch

Cailleach legt dann wiederum die Zauberrute unter einen Hollerstrauch und verwandelt sich in einen Stein.

Die Göttin Brigid nimmt den Stab auf und es wird mit den ersten Schneeglöckchen Frühling. Sie gebietet über den Frühling und das Blühen und verwandelt sich mit den ersten reifen Früchten im Mai zu Modron, die ihre Fruchtbarkeit auslebt, bis diese wieder Ende Oktober zu Cailleach wird.
Dieser Zyklus spiegelt die Stadien allen Seins wider: Den der Zerstörung, jenen der Erneuerung sowie den des Wachstums bzw. der Reife.

Interessant scheint in dieser Geschichte der Stab bzw. die Zauberrute – eine Art Zepter, das als Zeichen der Regentschaft weitergereicht wird.

Diese „Zauberrute“ mit dem Namen „slachdan“ gibt der dreifachen Göttin die Macht über das Wetter, damit dirigiert sie die Jahreszeiten und die Elemente. Sie ist wahrscheinlich auch das Vorbild für den „Hexenbesen“, der ja ganz und gar nicht jenes eigenartige Instrument ist, mit denen Frauen durch die Lüfte fliegen, wie es in patriarchal-inquisitorischen Vorstellungen geschieht.

Mystische Zauberrute ist kein Hexenbesen

Um es eindeu­tig klar zu stellen: Auf einem Besen fliegende Hexen hat man weder früher noch heute gesehen. Es handelt sich dabei um patriarchal-inquisitorische Phantasien und Unterstellungen, die für viele Frauen höchst gefährlich waren (Stichwort: christliche Inquisition).

So ein Stab zwischen den Beinen einer Frau, auf dem sie noch dazu reitet, ist ja schon alleine dazu angetan, die unterdrückte christliche Lüsternheit mit wilden Ideen zu beflügeln.
Daher sind auch jene Darstellungen von auf Besen reitenden Frauen abzuleh­nen, wie sie immer noch von vielen „modernen Hexen“ als Symbol verwendet werden oder auch in der Literatur vorkommen (z.B. Harry Potter oder Bibi Blocksberg).

Dieses Symbol unterstützt nach wie vor die gezielt lancierten Bösartigkeiten all jener, die die Frauenkraft – ausgedrückt auch durch die gemeinsamen Feste – unterdrücken und ausrotten wollten.

Rute als Zepter weiblicher Kraft

Allerdings ist dieser Rute, dieser „Zauberstab“, dieser Besen ein wichtiges Instrument magisch begabter Frauen: Er stellt deren Verbindung zu den Bäumen und Pflanzen dar, ist ein Zepter der Kraft, ein Redestab, ein gutes Wurfgerät, um Gefahr zu vertreiben, ein sehr brauchbares Werkzeug um rituell Altes aus dem Haus zu kehren.

Und der Hexenbesen kann von einer Frau zur anderen weitergegeben werden – wie es auch die Göttinnen Cailleach, Modron und Brigid tun. Früher – und vielleicht auch noch heute – ist er ein geheimes Symbol, das alle Frauen verstanden haben: In Clans oder dörflichen Gemeinschaften konnten die Frauen mithilfe der Besen erkennen, welche Frau sozusagen ge­rade „im Dienst“ ist.

Wenn Frauen also an fremde Orte kommen und ein Quartier brauchen oder wenn Nachbarinnen Hilfe brauchen, dann wissen sie, dass sie sich an jene Frauen wenden können, deren Haus mit einem Besen gekennzeichnet ist. Diese konnte man die ganze Nacht über stören. Damit haben auch alle anderen Frauen ihre Ruhe.

 

Mehr Infos zu den erwähnten Göttinnen auf www.artedea.net
Beitrag von Andrea Dechant
Malerin, Autorin und Netzwerkpartnerin von FlowBirthing

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